Winnenden setzt bei Sanierung der Fußgängerzone nicht nur auf Optik

Schönheit alleine reicht nicht aus

Die große Kreisstadt Winnenden ist die fünftgrößte Stadt des Rems-Murr-Kreises. Mit einem Kaufkraftindex von 105 liegt die Stadt am westlichen Rande des Schwäbischen Waldes bundesweit im oberen Bereich. Seit Jahren arbeiten die Stadtplaner der rund 28.000 Einwohner zählenden Gemeinde daran, optimale Rahmenbedingungen für das Einkaufen vor Ort zu schaffen. Eine der Maßnahmen bestand bereits Anfang der 80er Jahre darin, die Fußgängerzone mit Hilfe hochwertiger Naturpflastersteine optisch aufzuwerten. Was damals zunächst sehr ansprechend wirkte, stellte seit einiger Zeit ein Problem dar: Der Verschleiß durch Witterung und Lieferverkehr hat weite Teile der Flächen zerstört. Ebenso erfüllte diese „holperige“ Art der Befestigung nicht die gewünschten Anforderungen an die Barrierefreiheit. Seit Anfang 2015 arbeitet das zuständige Stadtbauamt nun daran, die Flächen so zu sanieren, dass diese nicht nur optisch in das hochwertige Stadtbild von Winnenden passen, sondern auch die Anforderungen an Belastung und Barrierefreiheit erfüllen.

Standortfaktor Fußgängerzone

Gleixner: „Unsere Aufgabe bestand darin, den Pflasterbelag so zu wählen, dass die Fußgängerzone nach wie vor ein hochwertiger Einkaufsmagnet für den Rems-Murr-Kreis bleibt. Unsere Bürger sollen gerne hier einkaufen und dazu gehört eben auch ein passendes Umfeld.“ Ebenso wichtig waren aber auch die technischen Voraussetzungen hinsichtlich der Belastbarkeit und der Barrierefreiheit. Gleixner: „Der Lieferverkehr wird in Zukunft eher zunehmen. Auch Bau- und Rettungsfahrzeuge belasten die Flächen mit Rangierbewegungen auf engstem Raum. Deshalb war unbedingt ein Belag gefordert, der nicht nur gut aussieht, sondern der auch den Belastungen dauerhaft standhält. Ebenso soll unsere Fußgängerzone barrierefrei und damit für alle gleichermaßen gut begehbar werden.“

Quadrat- & Rechteckpflaster verbindet Funktionalität und Optik

Im September 2014 beschloss der Gemeinderat die Entwurfsplanung zur Verbesserung der fußläufigen Erschließung in der Marktstraße. Diese sah vor, dass das bestehende Kleinpflaster aus Porphyr zwischen den Entwässerungsrinnen durch ein großflächigeres Pflaster ersetzt wird. In der Mitte der Straße wird ein Blindenleitstreifen verlaufen, der sehbehinderten Menschen eine selbstständige Orientierung erleichtern soll. Als Material für den neuen Straßenbelag standen Granit- oder Betonwerksteine zur Auswahl. Hierzu Werner Gleixner: „Da die Sanierung mit Natursteinplatten ungefähr 60 % teurer gewesen wäre, hat sich der Gemeinderat im Zuge der Sanierung der insgesamt knapp 2.000 Quadratmeter großen Fläche für ein Betonpflastersystem in den Formaten 24 x 16 bzw. 16 x 16 x 14 cm aus dem Betonwerk Adolf Blatt in Kirchheim am Neckar entschieden. Dieses so genannte Quadrat- & Rechteckpflaster verbindet Funktionalität und Optik in idealer Weise und erfüllt damit alle gestellten Anforderungen an den Belag“.

Das Pflaster verfügt über eine abriebfeste Edelsplitt-Vorsatzschicht im Farbton „Meliero Muschelkalk“. „Dank dieser schwarz/braun/rot-melierten Oberfläche harmoniert der neue Belag hervorragend mit der historischen Altstadtkulisse“, formuliert Werner Gleixner. Um eine gute Begehbarkeit der Flächen zu gewährleisten entschieden sich die Planer für Steine ohne Fase. „Hierdurch bleibt die Fläche trotz der 8 mm breiten Fugen relativ eben und damit gut begehbar“, erklärt Gleixner.

Schicht aus einem Einkorn-Beton garantiert Stabilität

Wie ist es aber um die Stabilität der Fläche bestellt? Hierzu Heider Auner – freier Ingenieur aus Winnenden – der den Stadtplanern beratend zur Seite stand: „Grundsätzlich bieten die Betonsteine mit einer Stärke von 14 cm natürlich schon einmal eine bessere Stabilität als das ursprüngliche kleinformatige Natursteinpflaster. Um auf Nummer sicher zu gehen, haben wir aber zusätzlich beim Einbau der Pflastersteine eine besonders tragfähige Grundlage für den Belag geschaffen. Die Basis für die 4 cm dicke Pflasterbettung aus 2/5 mm Edelsplitt bildet eine 15 cm dicke Schicht aus einem Einkornbeton. Diese überbrückt den stark unterschiedlichen Untergrund und verhindert so Setzungen im Pflaster. Verfugt haben wir die Fläche mit Edelsplitt 1/3 mm.

Damit die Fugen auch dauerhaft geschlossen bleiben, wurde der obere Teil der Fuge mit einem wasserdurchlässigen Trasskalk eingeschlämmt. Anschließend wurden die Flächen mit einer Schwammputzmaschine gereinigt. Diese Bauweise garantiert uns, dass die Pflasterfläche z.B. nach Markttagen schonend gereinigt werden kann, ohne dass dabei Fugenmaterial ausgekehrt wird. So bleiben die Fugen dauerhaft mit Fugenmaterial gefüllt und können ihre Funktion als elastischer Puffer zwischen den Steinen in idealer Weise erfüllen. Schub- und Horizontalkräfte werden abgepuffert und auf die gesamte Fläche übertragen“, so Auner.

Am 10. Juli 2015 wurde der erste Bauabschnitt der Marktstraße in Winnenden abgeschlossen. Im nächsten Frühjahr wird die Sanierung der Fußgängerzone im oberen Teil der Marktstraße fortgeführt.

Weitere Informationen unter:
www.blatt-beton.de
KD1506010