Wie verändern höhere Bußgelder für Autofahrer den Straßenverkehr?

Seit dem 9. November gilt ein neuer Bußgeldkatalog, der auch Verstöße beim Parken härter bestraft. Nico Schlegel, Geschäftsführer von EasyPark Deutschland, spricht im Interview über die Auswirkungen auf den Stadtverkehr und das Potenzial digitaler Lösungen.

Herr Schlegel, welche Auswirkungen werden die neuen Parkbußgelder auf das Verhalten der Verkehrsteilnehmer haben?

Parkbußgelder sind zunächst natürlich grundsätzlich etwas, das Verkehrsteilnehmer unabhängig von ihrer Höhe vermeiden möchten. Bußgelder werden im Allgemeinen auch eher abstrakt wahrgenommen – bis zum tatsächlich ausgestellten Strafzettel. Dazu muss es erst einmal kommen, daher wird sich von heute auf morgen wenig ändern. Vielmehr wird sich ein Lerneffekt über Zeit einstellen, wenn immer mehr Autofahrer die nun höheren Strafen aufgedrückt bekommen haben, und darüber auch im Bekanntenkreis erzählt wird. Um diesen Prozess zu beschleunigen, führen einige Städte aktuell vermehrt Kontrollen durch, beispielsweise in Berlin. Ich bin zuversichtlich, dass insbesondere die Erhöhung der Bußgelder für Parkverstöße, die andere Verkehrsteilnehmer gefährden, wie zum Beispiel das Parken auf dem Fahrradstreifen, eine Wirkung haben wird.

Welche Rolle spielen Parkbußgelder allgemein für das Parkverhalten in der Stadt?

Da muss zunächst einmal zwischen Verkehrsverstößen unter Gefährdung Dritter beziehungsweise dem klassischen Falschparken und dem Parken ohne oder mit abgelaufener Parkberechtigung auf erlaubten Parkflächen unterschieden werden. Die Ahndung ersterer sind wichtig, um die Regeln im Straßenverkehr durchzusetzen.

Beim einfachen Knöllchen, das man bekommt, weil man keinen Parkschein gezogen hat oder dieser abgelaufen ist, kann man da eine komplexere Dynamik beobachten: Die Autofahrer wägen hier Kosten gegen Risiken ab, also einmal das Verhältnis zwischen Parkgebühren und Parkbußgeldern, aber auch was die Wahrscheinlichkeit, überhaupt erwischt zu werden, betrifft. Diese Abwägung beeinflusst dann zum Beispiel auch, wie panisch ich unterwegs die Zeit prüfe oder wie schnell ich laufe, wenn ich weiß, dass mein Parkschein abgelaufen ist. Einer der Hauptgründe für die Nutzung der EasyPark App ist darum auch, dass man die Parkzeit bequem von unterwegs verlängern kann.

Es gibt hier also einen Dreiklang zwischen Gebührenhöhe, Bußgeldhöhe und Kontrollfrequenz, der seitens der Stadt in einer vernünftigen Balance gehalten werden muss – sonst funktioniert die Parkraumbewirtschaftung nicht. Hohe Gebühren bei niedriger Bußgeldhöhe sowie hoher Kontrollfrequenz wird ebenso wenig zum Ziehen eines Parkscheins ermuntern wie günstige Gebühren bei hohen Strafen aber nur geringer Kontrollfrequenz. In Deutschland sehen wir im Europavergleich vorwiegend sogar niedrige Gebühren, niedrige Bußgelder und niedrige bis mittlere Kontrollfrequenz. Die nun erhöhten Bußgelder werden die Gleichung für viele deutschen Autofahrerinnen nun vermutlich anders aufgehen lassen.

Warum ist Parkraumbewirtschaftung ein wichtiges Thema für Kommunen?

Parkraumbewirtschaftung ist neben der Funktion einer kommunalen Einnahmequelle heute immer stärker auch politisches Steuerungsinstrument. Um die negativen Auswirkungen von Verkehr einzudämmen, wird das Parken kostenpflichtig gemacht mit dem Ziel, dass letztlich auch weniger Autos zu diesen Parkflächen hinbewegt und alternative Fortbewegungsmittel gewählt werden. Damit lässt sich also der Verkehr und damit auch der Parksuchverkehr, welcher mancherorts bis zu einem Drittel ausmacht, reduzieren.

In vielen Städten denkt man auch darüber nach, ob zu viel öffentliche Fläche für das Parken reserviert wird und nicht einer besseren Nutzung zugeführt werden kann. Das funktioniert aber nur ohne größere Konflikte, wenn Anreize geschaffen werden, andere Mobilitätsformen zu nutzen (und diese auch bereitstehen). Denn andererseits möchte man die Attraktivität der Innenstädte für die Bürger als Einkaufsstätte stärken. Dies gelingt nur über eine Balance der unterschiedlichen Maßnahmen, insbesondere in einer Übergangsphase.

EasyPark hat hier unterschiedliche Möglichkeiten, Städten zu helfen. Die FIND Funktion in der EasyPark App zeigt dem Nutzer etwa auf einer Farbskala, wo wahrscheinlich Parkplätze frei sind. Das reduziert die Parksuchzeit, und damit letztlich den Parksuchverkehr, der wiederum einen signifikanten Anteil an der Luftverschmutzung hat, um bis zu 50 Prozent. Auch die Navigation des Straßenverkehrs zu freien Parkplätzen in Parkhäusern ist möglich, indem Transparenz über das verfügbare Angebot hergestellt wird. Mit diesen und anderen Lösungen hoffen wir bei EasyPark unserer Vision, Städte lebenswerter zu machen, ein wenig näher zu kommen.

Welches Potenzial steckt in Park-Daten für den Parksuchverkehr und das Parkraummanagement?

Parkdaten können die Grundlage für fundierte, verkehrspolitische Entscheidungen bilden: Angefangen bei der Preisgestaltung bis hin zur Planung und Durchsetzung neuer Parkplätze oder Beschränkungen. Mithilfe digitaler Technologien können heutzutage zentimetergenaue Angaben zur Position von Parkplätzen mit den entsprechenden Parkregeln und -beschränkungen gemacht werden. Informationen zum Parkverhalten der Autofahrerinnen geben einen verständlichen Überblick über wichtige Indikatoren, wie zum Beispiel die Auslastung von Parkbereichen, die Veränderung des Parkverhaltens in bestimmten Zeiträumen oder die Einnahmen pro Parkzone. EasyPark berät auf dieser Datengrundlage Städte und Kommunen und entwickelt gemeinsam mit ihnen maßgeschneiderte Lösungen als Antworten auf ihre individuellen Herausforderungen.