Wie sieht die urbane Mobilität der Zukunft aus?

Von Simon Funke, Fraunhofer ISI

Die Mobilität der Gegenwart steht aufgrund gesellschaftlicher Megatrends wie dem Klimaschutz, zunehmender Urbanisierung und knapper werdender Rohstoffe vor großen Herausforderungen – Probleme wie Staus, Parkplatzmangel und Feinstaub führen deutlich vor Augen, dass es dringend neuer effektiver und nachhaltiger Mobilitätskonzepte bedarf. Das Innovationscluster REM 2030 erforscht an den Standorten Karlsruhe und Freiburg Mobilität aus einer systemischen Perspektive heraus und zeichnet ein Bild davon, wie diese im Jahr 2030 aussehen könnte. Die Untersuchungsergebnisse werden auf dem Symposium „Urbane Mobilität der Zukunft“ vorgestellt, das am 17. und 18. Juni 2015 im Konzerthaus Karlsruhe stattfindet.

Mobilität – dieser Begriff steht für Bewegung, Freiheit und die Möglichkeit, schnell von einem Ort zum anderen zu gelangen. Der urbane Alltag sieht aber oft anders aus und ist eher von Staus, Stillstand und der Abhängigkeit vom Auto gekennzeichnet. Das Bedürfnis der Menschen, sich in Städten effizient fortzubewegen, können aktuelle Mobilitätskonzepte häufig nicht mehr einlösen.

Veränderte Rahmenbedingungen erfordern neue innovative Mobilitätskonzepte

Dass sich die Voraussetzungen und Konzepte für Mobilität im Lauf der Zeit ändern, ist an sich nichts Ungewöhnliches. Bereits im vergangenen Jahrhundert führten der technologische Fortschritt und der gesellschaftliche Wertewandel zu veränderten Rahmenbedingungen für die Mobilität. Die Folge waren Innovationen wie die Draisine, die Vorgängerin des Fahrrads, oder das Auto – beide wurden in Baden-Württemberg entwickelt. Aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens, der zunehmenden Rohstoffknappheit und eines verstärkten Umweltbewusstseins stoßen aktuelle Mobilitätskonzepte an ihre Grenzen und es bedarf neuer Lösungen. Nachhaltige Technologien wie die Elektromobilität nehmen sich zwar den veränderten Mobilitätsbedürfnissen an, können Mobilitätsprobleme aber nicht allein lösen.

Vielmehr sollten die Lösungsansätze für die zukünftige Mobilität systemisch angelegt sein – mit der Frage, wie derartige ganzheitliche Mobilitätskonzepte aussehen könnten, befasst sich das Fraunhofer Innovations­cluster REM 2030, in dem sich vier Fraunhofer-Institute (ISI, IOSB, ICT und IWM) aus Karlsruhe und Freiburg sowie drei Institute des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) zusammengeschlossen haben. Gemeinsam mit Industriepartnern wie Fahrzeugherstellern, Zulieferern und Energieversorgern sowie Mobilitätsdienstleistern, Verkehrsbetrieben, Verbänden und Kommunen werden Lösungen und Wege für die effiziente Individualmobilität der Zukunft untersucht und erprobt. Mobilität wird dabei systemisch, also aus technologischer, ökologischer, sozialer und ökonomischer Perspektive betrachtet.

Das Projekt REM 2030 setzt auf ein kombiniertes und vernetztes Fahrzeugkonzept

Das Projekt „Regional Eco Mobility“ – oder kurz REM 2030 – verfolgt einen Mobilitätsansatz, der sich aus dem Zusammenspiel dreier Fahrzeugkonzepte ergibt: elektrischen Fahrrädern für Kurzstrecken, speziell für die Stadt entwickelten Kleinstfahrzeugen wie dem Renault Twizzy sowie herkömmlichen Autos für weitere Strecken. Im Projekt wird ein Elektroauto mit einer Methanol-Brennstoffzelle als Range Extender als Demonstratorfahrzeug aufgebaut. Durch die Nutzung von Strom aus Erneuerbaren Energien und Methanol aus Bio­masse fallen die Emissionen sehr gering aus.

Damit die verschiedenen Fahrzeugkonzepte effektiv genutzt werden können, sind diese durch Software-Lösungen und mit den Angeboten des öffentlichen Nahverkehrs verbunden. Erst deren intelligente Vernetzung führt dazu, dass die Nutzer die verschiedenen Mobilitätssysteme akzeptieren und diese miteinander kombinieren.

Dass die Bürgerinnen und Bürger in den Großstädten Baden-Württembergs bereits heute parallel auf unterschiedliche Verkehrsmittel zurückgreifen, zeigen die ersten Forschungsergebnisse von REM 2030: So bewegen sich Familien aus Karlsruhe, Freiburg und Stuttgart sowohl zu Fuß als auch mit dem Fahrrad, dem Auto und dem öffentlichen Nahverkehr fort. Die Wahl des entsprechenden Verkehrsmittels unterscheidet sich aber je nach Stadt. Zum Beispiel sind Familien in Stuttgart häufiger zu Fuß, in Karlsruhe eher mit dem Fahrrad und in Freiburg oft mit dem Auto unterwegs – das Auto bleibt aber in den drei Städten ein wichtiges Fortbewegungsmittel.

Trend zur Wahrnehmung von Mobilität als Dienstleistung

Damit unterstreichen die Ergebnisse, dass die Bürger auf die urbanen Verkehrsprobleme reagieren und schon heute mehrere Verkehrsmittel kombinieren. Künftige Mobilitätskonzepte sollten hier ansetzen und die Attraktivität und Effizienz dieser Art der Fortbewegung hervorheben. Der Trend, Mobilität als Dienstleistung und abgekoppelt vom Fahrzeugbesitz zu sehen, könnte ein entscheidender Wegbereiter für die zukünftige Individualmobilität sein.
Weitere Forschungsergebnisse des Projekts REM 2030 werden auf dem Symposium „Urbane Mobilität der Zukunft“ vorgestellt, das am 17. und 18. Juni 2015 im Konzerthaus Karlsruhe stattfindet. Vertreter aus Wissenschaft, Industrie, Politik und Wirtschaft diskutieren hier gemeinsam über die Frage, wie sich die Mobilität in den kommenden Jahren wandeln muss und kann.

Weitere Informationen unter:
www.rem2030.de
KD1502015