Der Kohleausstieg ist beschlossen, Greta Thunberg und Fridays for Future beherrschen die Presselandschaft und über die Einführung einer CO2-Steuer wird in der deutschen Gesellschaft heftig diskutiert: Das Thema Klimawandel dominiert den gesellschaftlichen Diskurs wie nie zuvor und stellt auch Energieversorger vor Herausforderungen. Uniper-Vertriebschef Gundolf Schweppe schildert im Interview seine Sicht auf die Energieversorgung der Zukunft.


Herr Schweppe, im letzten Monat hat die Bundesregierung Eckpunkte eines neuen Klimaschutzpaketes vorgestellt. Wie bewerten Sie die darin verankerten Maßnahmen?

Natürlich unterstützen wir das Bestreben nach Klimaschutz – im Hinblick auf die gesetzten Klimaziele besteht dringend Handlungsbedarf. Wir befinden uns gerade erst am Anfang eines umfassenden Transformationsprozesses, dem wir – mit entsprechender Unterstützung aus der Politik – optimistisch entgegenblicken. Einige der geplanten Maßnahmen, wie die nationale Bepreisung von CO2, sehen wir aber sehr kritisch. Denn: National isoliert eingeführte und damit voraussichtlich unterschiedliche CO2-Mindestpreise verzerren die Preisfindung im angestrebten einheitlichen europäischen Strommarkt.

Welche Auswirkungen hat der Trend zur grüner werdenden Energie Ihrer Meinung nach für Stadtwerke?
Das ökologische Bewusstsein von Konsumenten, Politik und Öffentlichkeit ist so stark wie nie zuvor und der Trend zur Dekarbonisierung ungebrochen. Immer mehr große Konzerne und Mittelständler verpflichten sich, ihren Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien zu beziehen. Der Handlungsdruck auch auf Stadtwerke wächst damit. Denn als Produzenten, Händler und Großabnehmer von Energie kommt ihnen – so wie uns auch – eine besondere Verantwortung zu.

Stadtwerke werden aus meiner Sicht eine zentrale Rolle bei der Gestaltung der Energiewende spielen. Mit der Entscheidung, klimaneutrale Energie zu beziehen und in zukunftsfähige Technologien zu investieren, gestalten sie die Energiewende aktiv mit – und wir unterstützen sie dabei. Zum Beispiel mit unserer grünen Vollversorgung aus 100% CO2 freier Wasserkraft, bei der Weiterverteilungskunden zum einen eine zuverlässige Strom-Vollversorgung erhalten und zum anderen direkt mit Herkunftsnachweisen für die komplette Menge versorgt werden. Dabei werden die Stromlieferungen klimaneutral gestellt: Kunden können alle Mengen aus einer Hand beziehen, ohne dass bei der Erzeugung CO2 anfällt.

Der Ausbau der Erneuerbaren schreitet voran. Welche Energieträger können Ihrer Meinung nach die Energiewende zum Erfolg führen?
Wind- und Solarenergie nehmen zu Recht einen wichtigen Platz innerhalb unserer Stromversorgung ein. Da ihre Produktion jedoch witterungsbedingten Schwankungen unterliegt, können sie nicht die alleinige Lösung sein. Als grundlastfähige, planbare und flexible regenerative Energiequelle stellt beispielsweise Wasserkraft eine wichtige Säule im Versorgungsmix dar. Was viele nicht wissen: Mit 109 Kraftwerken allein in Deutschland ist Uniper einer der größten Wasserkraftproduzenten und treibt die Energiewende aktiv voran.

Grün fängt bei uns aber schon im konventionellen Portfolio an. Dabei sehen wir besonders im oftmals unterschätzten Energieträger Erdgas immenses Potenzial: Denn als emissionsärmster konventioneller Energieträger schlägt Erdgas die Brücke zwischen Kohle und Regenerativen. Als verlässliche Energiequelle qualifiziert es sich als zukunftsfähiger Energieträger, der als einziger dazu in der Lage ist, durch den geplanten Kohle- sowie Atomausstieg verloren gegangene Erzeugungskapazität zuverlässig aufzufangen und langfristig Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Gas steht nicht nur weltweit ausreichend zur Verfügung, sondern wird in Form von Wasserstoff und Bioerdgas auch immer grüner. Dazu tragen wir aktiv bei und bauen gerade blauen Wasserstoff, Pyrolyse, Power-to-Gas und Reallabore für grünes Gas weiter aus.

Gundolf Schweppe ist seit Juli 2017 Vorsitzender der Geschäftsführung der Uniper Energy Sales. Er verfügt über langjährige umfassende Erfahrungen in der Energiewirtschaft, unter anderem im Bereich des Privatkunden- und Großhandelsvertriebs und Speichergeschäfts. Der Volljurist hat an den Universitäten Würzburg und Freiburg sowie in Frankreich studiert.

Weitere Informationen unter:
www.uniper-sales.com
KD1905026