Kaltrecycling statt Baustoff-Tourismus: Schnell sanieren, wenig transportieren

„Baustoff hin – Baustoff her, das macht die Taschen schneller leer“ – so könnte man einen Spruch aus dem Aktienhandel auf den Straßenbau adaptieren, denn oft werden Baustoffe für den Straßenbau ohne Not transportiert. Viele Straßen könnte man sanieren, ganz ohne Ausbau der Fahrbahn, Abtransport des Fräsgutes und Einbau einer neuen Tragschicht. Die Alternative gibt es schon lange: das Kaltrecycling. Diese Bauweise kommt mit wenigen Materialtransporten aus, ist schnell, umweltfreundlich und schont die Kassen. Sie hat sich bundesweit auf Autobahnen, Landstraßen jeder Größenordnung und sogar auf Stadtstraßen bewährt.

Gründe für einen „transportarmen“ Bauprozess gibt es viele. Einer der wichtigsten: die Ressourcen im Straßenbau wachsen nicht nach. Der schonende Umgang mit diesen Rohstoffen ist also mehr als nötig. Und weil es immer weniger Gewinnungsstellen gibt, müssen neue Gesteins- körnungen über weite Strecken antransportiert werden. Alleine das belastet unsere Straßen über Gebühr. So schlägt jeder Lkw-Kilometer mit der 16.000-fachen Last im Vergleich zu einem Pkw zu Buche. Nicht zuletzt ist Deponieplatz für den Ausbauasphalt bei vielen Mischwerken Mangelware – ebenso wie die Transportkapazitäten am Bau.

Beim Kaltrecycling „in situ“, das bedeutet „vor Ort“, wird die vorhandene Fahrbahn an Ort und Stelle recycelt. Statt den vorhandenen Asphalt zu fräsen, abzutransportieren und eine Fahrbahn aus neuem Mischgut aufzubauen, wird das Material vor Ort mit Zusatzkörnung und Bindemitteln ergänzt, neu gemischt und wieder eingebaut. Der – oft intakte – Unterbau wird bei diesem Verfahren nicht beeinträchtigt.

Der Prozess ist unkompliziert: Im ersten Schritt wird der Fahrbahnbelag mit einer Fräse granuliert. Darauf werden Zement und Zusatzkörnung verteilt. Menge und Art der Mineralstoffe, Bindemittel und Wasser ergeben sich aus der Eignungsprüfung, die im Vorfeld für jedes Projekt unter Berücksichtigung der angestrebten Belastungsklasse erstellt wird.

Unmittelbar im Anschluss folgt das eigentliche Kaltrecycling, das die Heinz Schnorpfeil Bau GmbH mit ihrem Kaltrecycler, auch Mixpaver genannt, ausführt. Dieses eigens hierfür entwickelte „3-in-1-Gerät“ vereint Fräse, Asphaltmischer und Bohle in einer Maschine. Darin wird der vorab granulierte Belag von Fräswalzen im vorderen Bereich der Maschine weiter granuliert und gelangt dann in den integrierten Zweiwellen-Zwangsmischer. Dort werden Bitumenemulsion und Wasser exakt dosiert zugegeben. Dieses Mischgut wird im Mixpaver abschließend von einer Einbaubohle in der gewünschten Breite eingebaut. Im Anschluss erfolgt die Verdichtung mit Walzen und die Versiegelung zum Schutz der Schicht vor Wasserverlust.

Durch diese Aufbereitung der alten Fahrbahn entsteht in nur einem Arbeitsschritt eine bis zu 20 cm dicke KRC-Schicht mit definierten Eigenschaften. Der neue, homogene und hochwertig recycelte Baustoff weist durch die Zusatzkörnung die gewünschte Sieblinie auf, bekommt durch das hydraulische Bindemittel Zement die nötige Festigkeit und verfügt durch die Bitumenemulsion über ausreichend Dehnfähigkeit, Risssicherheit und Flexibilität. Soll eine neue Quer- oder Längsneigung erzeugt werden, kann das vorhandene Material im selben Prozess sogar umprofiliert werden.

„Das KRC-Mischgut kommt in seinen Eigenschaften einer Asphalttragschicht nahe. Unsere Erfahrungen mit dem Recycling von Straßen verschiedener Bauklassen zeigen, dass diese KRC-Schicht mit einer reduzierten Asphaltschicht überbaut werden kann, denn die Stärke der KRC-Schicht kann auf den Asphaltüberbau angerechnet werden“, erklärt Andreas Tiemann, Geschäftsführer der Heinz Schnorpfeil Bau GmbH. Das Unternehmen hat von der Stadtstraße über Kreis- und Landstraßen bis zur Autobahn bereits Fahrbahnen aller Belas­tungsklassen, Breiten und Profile erfolgreich recycelt und saniert.

Vorteile ergeben sich auch durch CO2-Fußabdruck der Bauweise, denn bei der Aufbereitung der Fahrbahn mit Kaltrecycling in situ wird kein Baustoff erwärmt – das Verfahren schont alleine damit schon viele Ressourcen. Dazu kommt die stark reduzierte Zahl an Transporten im Vergleich zum herkömmlichen Aus- und Einbau, denn es werden deutlich weniger neue Baustoffe zur Baustelle gebracht. Fast alles passiert vor Ort.

Faktenlage spricht für KRC in situ
Bilanziert man die Fakten, zeigt sich:
KRC in situ

• kommt aus ohne den Transport großer Mengen Ausbauasphalt über unsere schon über Gebühr belasteten Straßen,
• schont die Ressourcen,
• vermeidet die Anlieferung großer Mengen neuer Baustoffe für den Neubau,
• erfordert nur geringe Mengen neuer Baustoffe,
• überzeugt durch kurze Bauzeit und geringe Beeinträchtigung des Verkehrs,
• hat eine hervorragende Ökobilanz.

Das gesamte Verfahren ist im deutschen Regelwerk umfangreich beschrieben. Planer finden weiterführende Informationen im Merkblatt M-KRC, herausgegeben von der FGSV, das derzeit überarbeitet wird.

Autor: Dipl.-Ing. Andreas Tiemann

Weitere Informationen unter:
www.schnorpfeil.com
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