Stadt Stuttgart und Logistikunternehmen Hermes testen batteriebetriebenen Leicht-Lkw im harten Betriebsalltag

Gestern startete in Deutschland der erste Flottentest mit emissionsfreien batteriebetriebenen Lastkraftwagen. Daimler Trucks, der führende Lkw-Hersteller weltweit, arbeitet dazu mit seiner Marke Fuso mit der Stadt Stuttgart und dem Logistikunternehmen Hermes zusammen.

Die Stadt Stuttgart wird vier Sechstonner vom Typ Fuso Canter E-Cell zwölf Monate lang im harten Betriebsalltag testen. Zwei Fahrzeuge mit hydraulischem Kipperaufbau sollen im Straßenbau sowie im Landschaftsbau eingesetzt werden. Die beiden anderen Canter E-Cell mit Kofferaufbau sind für städtische Möbeltransporte und die Auslieferung von Mülltonnen vorgesehen.Das Logistikunternehmen Hermes beteiligt sich ebenfalls an diesem einjährigen Null-Emissionen-Flottentest. Hier wird der Canter E-Cell zur Paketlieferung im städtischen Nahverkehr unterwegs sein. Hermes ist bereits seit den Achtzigerjahren ein wichtiger Testpartner von
Mercedes-Benz im Bereich der alternativen Antriebe und hat zuletzt z. B. die Erprobung des Vito E-Cell in Berlin und Hamburg im Lieferverkehr unterstützt. Bis 2020 will Hermes den CO2-Ausstoß seiner Flotte weiter deutlich senken. In Londons Innenstadt stellt Hermes aktuell bereits komplett elektrisch mobil zu und beteiligt sich auch in Deutschland an namhaften Pilotprojekten.

Elektrifizierung von Lkw im innerstädtischen Verteilerverkehr gewinnt an Bedeutung

Die fünf batteriebetriebenen Fuso Canter wurden heute in Anwesenheit von Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn durch Dr. Wolfgang Bernhard, Vorstandsmitglied der Daimler AG und Leiter des Geschäftsfelds Daimler Trucks & Buses, sowie Marc Llistosella, Präsident und CEO der Mitsubishi Fuso Truck and Bus Corporation (MFTBC) und Leiter von Daimler Trucks Asia, für den Testbetrieb übergeben.

Dr. Bernhard sagte bei der Übergabe:

„Der moderne Verbrennungsmotor ist sehr effizient, umweltschonend und vor allem sauber – und bleibt im Fernverkehr noch lange alternativlos. Beim innerstädtischen Verteilerverkehr sieht es anders aus. Hier ist ein Umstieg auf E-Lkw in einigen Jahren technisch und wirtschaftlich möglich. Wir leisten damit einen kleinen aber wichtigen Beitrag für die urbane Mobilität in Stuttgart. Daimler Trucks treibt dies führend voran – und macht heute gemeinsam mit der Stadt Stuttgart einen wichtigen Schritt hin zur Marktreife.“

Für Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn ist der Einsatz der vier Canter E-Cell ein wichtiger Test von emissionsfreien Leicht-Lkw im innerstädtischen Verkehr: „Nachhaltige Mobilität ist ein zentrales Thema für Großstädte und Elektro-Mobilität ein wichtiger Baustein. Die Stadt Stuttgart geht hier voran, wir haben eine Änderung bei unserem Fuhrpark beschlossen: Jedes neue Auto, das die Stadt anschafft, wird ein E-Mobil sein. Das halte ich für ein sehr starkes Signal. Deshalb testen wir jetzt auch sehr gerne die vier Canter E-Cell im städtischen Arbeitsalltag.“

Mercedes und Hermes verbindet eine lange Tradition bei der Förderung alternativer Antriebe“, erklärte Dirk Rahn, Managing Director Operations bei der Hermes Logistik Gruppe Deutschland. „Als Branchenpionier gehörten wir in den 90er Jahren zu den ersten, die frühe Elektromobile in der Praxis erprobt haben. Entsprechend stolz sind wir heute, den neuen elektrischen 7,5-Tonner im Paketdienst einzusetzen. Das Projekt ist Teil unseres langfristigen Klimaschutzprogramms, über das wir die CO2-Emissionen in unserer Flotte bis 2020 konsequent halbieren möchten. Wir freuen uns sehr, mit Mercedes für dieses Vorhaben einen verlässlichen Partner an unserer Seite zu haben.“

Portugal-Flottentest 2015: Betriebskosten bis zu 64 Prozent reduziert

Bereits 2015 sammelte Fuso erste Erfahrungen mit voll elektrischen Canter in Portugal- Kommunal Direkt berichtete. Bei diesem Flottentest mit acht Fahrzeugen schnitt der Canter E-Cell sehr erfolgreich ab. Er war sowohl in Kurier- und Speditionsunternehmen als auch bei Gemeinden und städtischen Gartenbaubetrieben im Einsatz. Das Laden der Batterien dauerte am 230 Volt-Anschluss mit 32 Ampere rund sieben Stunden, am Schnellladesystem (390 V/100 A) sank die Zeit auf nur eine Stunde.

Die Ergebnisse dieses einjährigen Praxistests zeigen, dass sich die Fahrzeuge für den täglichen Einsatz im Kurzstrecken-Lieferverkehr und innerstädtischen Transport bewährt haben. Mit Reichweiten von über 100 Kilometern übertrafen die Canter E-Cell die durchschnittliche Distanz, die viele für den leichten Verteilerverkehr eingesetzte Lkw pro Tag zurücklegen. Auf Basis der aktuellen Kosten für Diesel und Strom in Portugal ergaben sich außerdem Einsparungen bei den Betriebskosten von bis zu 64 Prozent im Vergleich zu einem konventionellen Diesel-Lkw.

Canter E-Cell spart in Portugal 1000 Euro auf 10 000 Kilometer

Marc Llistosella ist fest davon überzeugt, dass der Canter E-Cell im deutschen Flottentest die Ergebnisse von Portugal bestätigen wird: „Auch wenn wir in Deutschland auf andere klimatische Verhältnisse treffen und die Stadt Stuttgart durch ihre Kessellage eine topografische Herausforderung darstellt, wird der Canter E-Cell auf Basis unserer bisher gesammelten Erfahrungen auch diese Aufgabe meistern. Darüber hinaus wird er unter Beweis stellen, dass er nicht nur umweltfreundlich ist, sondern auch sparsam fährt. Im Portugal-Test erzielte er im Vergleich zum Diesel-Lkw auf 10 000 Kilometer Einsparungen von rund 1000 Euro. Damit unterstreichen wir die führende Rolle von Fuso im Bereich elektrobetriebener Nutzfahrzeuge.“

Gleichzeitig geht die Entwicklung dieser Antriebstechnik weiter. Fuso arbeitet bereits an der nächsten Generation des Canter E-Cell – mit dem festen Ziel, ihn noch alltagstauglicher und wirtschaftlicher zu gestalten.

Fuso ist der führende Hersteller von teilelektrischen leichten Lkw. So sind weltweit rund 3000 Fuso Canter Eco Hybrid im Einsatz. Basis der Fahrstrategie des Canter Eco Hybrid ist rein elektrisches und damit geräuscharmes Anfahren. Bei einer Geschwindigkeit von ca. 10 km/h wird der Dieselmotor zugeschaltet. Unterhalb läuft er zur Versorgung der Nebenaggregate im Leerlauf mit. Zusätzlich punktet der Canter Eco Hybrid mit seiner Tragfähigkeit. Das Mehrgewicht des Hybridantriebs beschränkt sich auf lediglich rund 150 kg. Somit beläuft sich die Tragfähigkeit des 7,5-Tonners als Fahrgestell mit Fahrerhaus auf bis zu 4,8 t.

Mit einem Erfahrungshorizont von mehr als 40 Jahren hat Fuso im Hybrid Kompetenzcenter von Daimler Trucks in Kawasaki den batterie-elektrisch angetriebenen und lokal emissionsfreien Canter E-Cell entwickelt und erstmals 2010 auf der IAA-Nutzfahrzeuge als Prototyp vorgestellt. Die aktuelle Testflotte wurde auf einer Fertigungslinie für Prototypen im Fuso-Werk in Tramagal, Portugal, produziert.

Sechstonner mit fast 3000 Kilo Fahrgestelltragfähigkeit

Rein äußerlich unterscheidet sich der Fuso Canter E-Cell von seinen diesel- oder diesel-elektrisch betriebenen Brüdern nur durch die Batterie-pakete, die an beiden Rahmenseiten montiert sind und zusammen 600 Kilogramm wiegen. Anstelle des Drei-Liter Diesels arbeitet hinter der unveränderten Canter-Kabine ein Elektroantriebsstrang. 110 kW (150 PS) liefert der Permanent-Magnet-Motor über ein Eingang-Getriebe an die Hinterachse.

Der Fahrgestellrahmen ist für ein Gesamtgewicht von sechs Tonnen zugelassen. Der 3400 Millimeter-Radstand bietet Platz für bis zu fünf Meter lange Aufbauten, deren Gewicht von der Fahrgestelltragfähigkeit von drei Tonnen abgezogen werden muss. Die dann noch verbleibenden gut zwei Tonnen Nutzlast sind für die meisten Transporte im innerstädtischen Verteilerverkehr mehr als ausreichend.

Beschleunigung wie beim Pkw

650 Newtonmeter lassen den Sechstonner fast wie einen Pkw beschleunigen und stehen ab der ersten Fahrsekunde zur Verfügung. Die Höchstgeschwindigkeit des Canter E-Cell ist wie bei allen Fahrzeugen dieser Gewichtsklasse auf 90 km/h limitiert.

Der Canter E-Cell wird durch einen Dreh mit dem „Zündschlüssel“ gestartet. Wie bei einem Wandler-Automatikgetriebe kann der Fahrer zwischen den Fahrstufen D, N, R und P wählen. Einem Automatikgetriebe entspricht ebenfalls die praktische Kriechfunktion in den Fahrstufen D und R („D“ für Drive, „P“ für Parken, „N“ für Neutral, „R“ für Rückwärts oder Reverse).

Geht der Fahrer vom Gaspedal, schaltet die Elektronik auf Rekuperation, deren Stärke sich in zwei Stufen am rechten Lenkstockhebel wählen lässt. Dann wird der E-Motor zum Generator und speist die beim Rollen erzeugte Motorbremsenergie zurück in die am Rahmen montierten Lithium-Ionen-Batterien. Wer die Rekuperation regelmäßig nutzt, schafft mit dem Canter E-Cell über 100 Kilometer Reichweite mit einer „Tankfüllung“.

 

VSP-Warnsystem schützt Fußgänger

Damit keine Gefahren aufgrund des lautlosen Rollens des Canter E-Cell entstehen können, gibt es das akustische VSP-Warnsystem (Vehicle Sound for Pedestrians), das sich per Knopfdruck zuschalten lässt. Dabei handelt es sich um ein gut wahrnehmbares, aber dennoch nicht zu lautes Summen. Dies macht den E-Cell prädestiniert zum Einsatz in Lärmschutzgebieten bei Nacht und in den sehr frühen Morgenstunden.

 

Moderne Produktion im Werk Tramagal

Der Canter E-Cell wurde in Tramagal auf einer eigenen Fertigungslinie für Prototypen hergestellt. Seit 2011 investierte Daimler rund 27 Millionen Euro in eine moderne Produktion für ein Werk, das im vorvergangenen Jahr auf eine 50-jährige Tradition zurückblicken konnte. Das Werk Tramagal, rund 150 Kilometer nordöstlich der Metropole Lissabon, mit einer Grundfläche von 39 900 Quadratmetern, ist Teil des globalen Daimler Trucks Produktionsnetzwerks. Über 300 Mitarbeiter fertigen dort Fuso Canter Lkw für rund 30 europäische Länder sowie für Israel, Marokko und die Türkei. Fast 95 Prozent der Fahrzeuge sind für den Export bestimmt.

Fuso bietet den Canter als leichten Lkw mit drei unterschiedlichen hochmodernen Antriebssystemen an: Als Canter mit sparsamem Dieselantrieb nach den aktuellen Abgasstufen Euro VI und Euro 5b+, den Canter Eco Hybrid mit Hybridantrieb sowie jetzt – noch im Rahmen von Kundenerprobungen – als Canter E-Cell mit batterie-elektrischem Antrieb.

Der Hauptsitz und das größte Werk von Daimler Trucks Asia befinden sich in Kawasaki nahe Tokio. Das zweite Werk, in dem Lkw der Marken BharatBenz und FUSO hergestellt werden, befindet sich in Chennai, Indien. Rund 170 000 Lkw und Busse der Marken Fuso und BharatBenz werden jährlich in Kawasaki und Chennai für den japanischen und indischen Markt sowie den Export in über 150 Länder verkauft. Damit hat Daimler Trucks Asia einen Anteil von über 30 Prozent an Daimlers weltweitem Lkw-Absatz. Die Marke Fuso ist die meistverkaufte Lkw-Marke des Konzerns.