In den nächsten sieben Jahren stehen die 11.000 deutschen Kommunen vor großen Herausforderungen: Laut der europäischen Energy Performance of Buildings Directive (EPBD) müssen die 26 Prozent energetisch schlechtesten Nichtwohngebäude bis 2033 saniert werden. Das betrifft auch viele Schulen, die häufig in die Kategorie „Worst Performing Buildings“ fallen und das Klima sowie die kommunalen Haushalte belasten. Ein vielversprechender Weg aus dem Schulsanierungsstau ist das serielle Sanieren.
Das innovative Konzept kombiniert digitale Planung mit automatisierter Vorfertigung und standardisierten Prozessen. Die neue Gebäudehülle wird im Werk vorgefertigt und muss auf der Baustelle nur noch montiert werden. Auf diese Weise lassen sich mit weniger Fachkräften mehr Gebäude in kürzerer Zeit energetisch modernisieren. Timo Sengewald, Seniorexperte im dena-Kompetenzzentrum Serielles Sanieren skizziert die Vorteile: „Selbst höchst ineffiziente Gebäude können mit seriellen Sanierungslösungen energetisch auf Neubau-Niveau gebracht werden. Aufgrund ihrer meist einfachen Gebäudekubatur sind Schulen, Kindergärten und Sporthallen optimal für den seriellen Sanierungsansatz geeignet. Im Idealfall können sie sogar während der Ferien oder bei laufendem Betrieb saniert werden.“
Sanierung in den Sommerferien
Ein solcher Idealfall ist die Integrierte Gesamtschule Kreyenbrück in Oldenburg. Sie wurde 2020 von der Zimmerei Sieveke in den Sommerferien saniert. „Die schnelle Montage der vorgefertigten Fassadenelemente auf der Baustelle ist das Ergebnis einer präzisen Planung, die bereits ein Jahr vorher beginnt“, erklärt Prokurist Roman Koditek. „Wenn es sich nur um eine Fassadensanierung handelt und keine weiteren An- und Umbauten geplant sind, lässt sich eine serielle Sanierung wirklich in den Ferien umsetzen. Damit dies gelingt, müssen allerdings einige Voraussetzungen erfüllt sein: Eine gründliche Bestandsanalyse und ein detailliertes 3D-Aufmaß sind ebenso wichtig wie die exakte Planung der Fassadenelemente, die termingerechte Taktung der Vorfertigung sowie eine gut durchdachte Baustellenlogistik.“
Auch Architekt Jochen Schurr hat schon einige Schulen in den Ferien oder bei laufendem Betrieb seriell saniert. Für ihn sind 3.200 m² Fassadenfläche in sechs Wochen ein realistisches Arbeitspensum. „Bei komplexeren Projekten, die mit einer Aufstockung und Grundrissänderung gekoppelt werden, ist eine Sanierung in den Ferien natürlich nicht möglich“, macht Jochen Schurr von gute Orte architekten deutlich. Hier sorgt die schnelle Montage der Gebäudehülle aber dafür, dass die Innenarbeiten zeitnah starten können und die Schule somit möglichst rasch wieder zur Verfügung steht.
Serielle Sanierung rechnet sich
Angesichts der angespannten Haushaltslage vieler Kommunen ist die Finanzierung und Förderung von Sanierungsmaßnahmen ein entscheidender Faktor. Im Rahmen der Bundesförderung effiziente Gebäude (BEG) werden kommunale Sanierungsprojekte mit zinsverbilligten Krediten und Tilgungszuschüssen von bis zu 50 Prozent unterstützt. Ergänzend dazu gibt es häufig attraktive Förderprogramme auf Landesebene. Da Schulen nach einer seriellen Sanierung bis zu 90 Prozent weniger Energie benötigen, amortisiert sich die Investition durch die eingesparten Energiekosten vergleichsweise schnell. Hinzu kommen eine erheblich kürzere Bauzeit, die Verlängerung des Lebenszyklus und die deutlich höhere Qualität.
dena unterstützt Kommunen
Das Kompetenzzentrum Serielles Sanieren der dena (Deutsche Energie-Agentur) unterstützt kommunale Bestandshaltende kostenlos mit Beratungs-, Informations- und Vernetzungs- angeboten. Factsheets und Leitfäden helfen bei den ersten Schritten. Eine Plattform mit seriellen Sanierungsanbietern erleichtert die Suche nach passenden Planern, Komponentenherstellern und Holzbauunternehmen. Ein Best Practice-Portal zeigt eine Auswahl bereits realisierter bzw. in Bau befindlicher Projekte. Workshops, Netzwerkevents sowie das Exkursionsformat „Energiesprong on tour“ runden das Angebot ab.
www.energiesprong.de




