Können wir uns wirklich auf die Ergebnisse der Schnelltests verlassen?

KD sprach mit Yao Xia Mitinhaber von 4 Testzentren in der Umgebung von Bonn.

Wann haben Sie Ihr erstes Testzentrum eröffnet und wie kam die Idee?

Bevor die Pandemie in Deutschland richtig losging, war China Anfang 2020 schon in einer absoluten Krisensituation. Die schrecklichen Bilder und Nachrichten von meinen Angehörigen lagen mir schwer im Magen, weswegen ich im Rahmen meiner eigenen Möglichkeiten Masken aus Deutschland in meine Heimat nach Nanchang geschickt habe. Die Rückmeldungen aus meiner Heimat haben mich damals sehr bewegt. Als die Bundesregierung Anfang März 2021 ihre Schnellteststrategie bekannt gab, war ich sofort Feuer und Flamme auch in meiner neuen Heimat meinen Beitrag zur Bekämpfung der Pandemie zu leisten. Nach einer einmonatigen Vorbereitungszeit eröffnete ich schließlich im April 2021 mein erstes Testzentrum in Köln.

Was waren und sind die größten Herausforderungen für den täglichen Betrieb?

Die Herausforderungen sind vielfältig. Anfangs lag die Herausforderung sicherlich darin, sich mit all dem relevanten Fachwissen vertraut zu machen. Wie sieht ein Hygienekonzept aus, in welchem sich die Mitarbeiter und Kunden sicher fühlen können? Was sind Qualitätsmerkmale der zu verwendeten medizinischen Schutzausrüstung? Und vielleicht am aller wichtigsten: Was macht einen Schnelltest aus, der die Pflicht und Verantwortung eines Testzentrums gerecht werden kann? Im täglichen Betrieb musst du dann dafür sorgen, dass auch bei größerem Andrang die Einhaltung der Konzepte und die sorgfältige Ausführung der Tests gewährleistet ist. Teilweise war es auch nicht immer ganz einfach, bei Lieferengpässen kurzfristig Lieferanten für qualitative Schnelltests zu finden.

Wie viele Tests werden im Moment täglich ausgewertet?

Bei uns kommen zurzeit pro Testzentrum täglich etwa dreihundert Leute. Deutschlandweit werden momentan wohl mehr als eine Million Tests täglich ausgewertet, falls die vom Landesgesundheitsministerium im letzten Jahr geäußerte Anzahl von insgesamt über 8000 Testzentren noch einigermaßen aktuell ist.

Laut meinen Informationen gibt es über 200 verschiedene Anbieter von Schnelltests. Und es sollen nicht wirklich alle gut funktionieren. Gibt es da Regularien und worauf muss man besonders achten?

Glücklicherweise haben wir durch die Vielzahl an Anbietern keine Testknappheit mehr. Gleichzeitig bemüht sich die Bundesregierung die Testqualität stärker zu regulieren, erst kürzlich wurde die Tauglichkeit von 20 weiteren Schnelltests aberkannt. Trotzdem habe ich wenig Verständnis dafür, dass Tests, die lediglich bei einer sehr hohen Viruslast anschlagen, aber bei einer etwas niedrigeren Viruslast schon genauso unbrauchbar sind wie ein Stück Papier, noch immer zur professionellen Anwendung benutzt werden dürfen. Ausschlaggebend für die Leistungsbewertung sind die Ergebnisse der ‚Vergleichende Evaluierung‘ des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), da hier die Testsensitivitäten der verschiedenen Tests durch einheitliches Probematerial ermittelt wurde. Die Angaben zur Sensitivität auf der BfArM Liste sind hingegen vom Hersteller bezogen, wo zum Beispiel nicht klar ist, aufgrund welcher Viruslast die Werte ermittelt worden sind. Als besonders zuverlässig gelten Tests, die in der Vergleichenden Evaluierung des PEI auf eine Gesamtsensitivität von über 90% kommen. Dieses Qualitätskriterium können immerhin 15 der über 200 auf dem Markt befindlichen Anbieter erfüllen.

Warum wird es dann nicht in den Bundesländern umgesetzt?

Bis jetzt haben die Marktüberwachungsbehörden der Länder die Kontrolle dieser Vorgaben nicht flächendeckend umgesetzt, wir wissen jedoch von Testzentren in Hessen und Bayern, die in der jüngeren Vergangenheit aufgrund der Nicht-Erfüllung der Qualitätssicherung schließen mussten. Zusätzlich schreibt das Gesundheitsministerium den Betreibern von Corona Testzentren vor, Maßnahmen zur internen Qualitätssicherung zu ergreifen. Konkret wird die ordnungsgemäße Qualitätssicherung vermutet, wenn man den Richtlinien der Bundesärztekammer folgt. Diese wiederum schreibt vor, dass für Schnelltests pro Verpackung eine sogenannte Positiv- und Negativkontrolle durchgeführt werden muss, wozu man ein Kontrollstäbchen mit einer nicht-infektiösen Virusprobe braucht. Ähnlich wie bei der verstärkten Regulierung der Testqualität, ist es möglichweise auch hier so, dass die Bundesregierung nun nach höheren Standards strebt. Wahrscheinlich gab es nicht genügend dieser Tests, so dass die hohen Standards nicht umgesetzt und kontrolliert wurden und die Verantwortung an die Betreiber abgegeben wurde.

Denken Sie das nur der Preis eine Rolle spielt und in welchem Rahmen sollte sich der Preis bewegen?

Welche Rolle der Preis und welche Rolle die Qualität der Schnelltest spielt muss jeder Testzentruminhaber mit sich selbst ausmachen. Ein teurer Test ist aber auch nicht unbedingt besser. Ich kann nur jedem dazu raten sich erst eine engere Auswahl an Schnelltests aufgrund der Leistungsdaten des Paul-Ehrlich-Instituts zu erstellen, sich dann Angebote einzuholen, um dann vielleicht trotz der Qualitätsauswahl eine kostengünstige Lösung zu finden. Egal zu welchem Preis würde ich niemals einen Test kaufen, der laut Paul-Ehrlich-Institut eine Sensitivität von 0% bei niedriger Viruslast aufweist. Wenn Sie für einen Test mit einer Gesamtsensitivität von über 90% einen Preis von unter 1,30€ pro Test bekommen, sind Sie sicherlich sehr gut aufgestellt. Bei deutlich größeren Mengen können Sie mit etwas Glück sogar auf unter 1,00€ kommen, aber das sollte nicht Ihre Erwartungshaltung sein. Wichtig ist, dass Sie die Werbeaussagen immer persönlich mit den Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts abgleichen, um nicht auf falsche Testsieger-Behauptungen hereinzufallen!

Das bedeutet man sollte möglichst noch mit dem neuen Einkauf warten oder können Sie uns schon Tests nennen, die auf jeden Fall auch in Zukunft die erforderlichen Kriterien erfüllen werden?

Niemand kann mit absoluter Sicherheit sagen, welche und wie viele der auf dem Markt befindlichen Schnelltests als nächstes von der Positivliste gestrichen werden. Ich selbst bin sehr mit dem COVID-19 Antigen Schnelltest (Kolloidales Gold) der Firma Jiangxi Province JinHuan Medical Instrument Co., LTD. zufrieden, welcher einer der 15 Schnelltests ist, die eine Gesamtsensitivität von über 90% aufweisen können. Zudem hat der Hersteller sehr schnell auf unsere Anfrage bezüglich der Kontrollstäbchen für unsere internen Qualitätskontrollen reagiert, welcher der Hersteller nun bis Ende des Monats für jede Testpackung mitliefern wird.

 

Was denken Sie abschließend, wie lange Sie noch Ihre Teststationen betreiben werden?

Diese Frage ist genauso schwer zu beantworten, wie die Frage danach, wie lange die Pandemie noch andauern und unser Leben mitbestimmen wird. Die Erfahrung hat gezeigt, dass es wichtig ist abzuwarten was im Herbst passiert. Bis dahin werden wir auf alles vorbereitet sein.

Herzlichen Dank für das Gespräch

Interessante Links:

 

Paul-Ehrlich-Institut

 www.kommunal-test.de

www.ökotest.de

www.computerbild.de

 

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