PVC-Rohrsysteme: DIN oder DIBt?

Worauf es ankommt – Beurteilungsgrundlagen für Planer und Ausschreibungen

Immer wieder hört man aus den unterschiedlichsten Richtungen, dass die Ringsteifigkeit von SN 12 bei Formteilen mit SDR 41 nicht möglich sei. Besonderer „Leittragender“ ist dabei unter anderem das Unternehmen Omniplast mit seinem Produkt Primus HL SN12. Dazu hier an dieser Stelle einige wichtige, rechtlich relevante Hinweise.

In der teils kontrovers und teils mit Fehlvorstellungen geführten Diskussion um die unterschiedlichen Konzepte für die Rohrherstellung, bei der Vermarktung und der Ausschreibung von Rohren und Formstücken bzw. Hochlast- rohren aus PVC-U ist es wichtig, einige Fakten und Informationen vorzustellen, um sachliche Grundlagen bei der Planung des Einsatzes und der Beschaffung von Vollwandrohren, Mehrschichtrohren und Formteilen zu schaffen.

Für Rohre aus PVC-U existieren aktuell zwei unterschiedliche Herstellungsmethoden, die beide auf dem Markt anerkannt sind und durch DIN-Normungen bzw. durch gleichwertige individuelle Bauartzulassungen ihre Verwendungstauglichkeit nachweisen können.

Zum einen werden Rohre aus PVC-U als Vollwand-Kunststoffrohre entsprechend der DIN-EN-1401-1 produziert. Sie benötigen aufgrund der Normübereinstimmung keine gesonderte Zulassung mehr, da Sie durch die Norm ihre definierte Eignung für den jeweiligen Einsatz nachweisen. Solche Normrohre werden auch von der Fa. Omniplast hergestellt und mit dem ausdrücklichen Normbezug gekennzeichnet und vermarktet.

Andererseits werden – vom DIBt nach DIN-EN 13476 als gleichwertig anerkannte – Rohre von Omniplast und einigen ihrer Wettbewerber hergestellt. Diese werden, anders als Vollwand- rohre, die der DIN-EN 1401-1 zugeordnet sind, als Mehrschichtrohr produziert. Mittlerweile wurde für solche Rohre mit der DIN EN 12201-2 für Trinkwasser- und Abwasserrohre (im November 2011 erschienen) durch Normung die Gleichwertigkeit zu voll durchgefärbten Rohren beschrieben und die Anforderungen definiert. Mehrschichtrohre sind dadurch charakterisiert, dass Sie zwar wie Vollwandrohre eine glatte Innen- und Außenwand besitzen, allerdings coextrudiert sind und die Innen- und Außenschicht durch eine entweder geschäumte oder ungeschäumte Mittelschicht verbunden sind. Auch solche Rohre werden von Omniplast produziert.

Für Rohre, die vor Inkrafttreten der DIN EN 12201-2 auf den Markt gebracht wurden, war eine DIBt-Zulassung erforderlich; für Rohre, die unter Geltung der jeweiligen DIN in Verkehr gebracht werden, wird mit einer Kennzeichnung die Normübereinstimmung bestätigt und garantiert.

Rohre mit Bauartzulassung (DIBt) und normkonforme Rohre (DIN) weisen im Wettbewerb untereinander daher grundsätzlich keine technischen Unterschiede auf, wenn die Bauartzulassung die Gleichwertigkeit zu normkonformen Rohren bescheinigt. Der sachliche Regelfall bei der Planung und Beschaffung ist daher die Anforderung eines Bauporduktes aus den geltenden Normenwerken; besteht keine Normkonformität der Rohre eines Herstellers, kann die Vergleichbarkeit und damit Eignung durch eine individuelle Bauartzulassung nachgewiesen werden. Ein Vorteil ist mit solchen individuell zugelassenen Rohren in der Regel allerdings nicht verbunden.

SN 12 bei SDR 41 oder bei SDR 34 – was darf eingebaut werden?

Die sogenannte SDR-Zahl beschreibt das Verhältnis von (Außen-) Rohrdurchmesser und Wanddicke. Daraus wird ersichtlich, dass eine höhere Ziffer eine geringere Wanddicke, eine niedrigere Ziffer eine größere Wandstärke im Verhältnis zum Rohrdurchmesser bedeutet. Die SN-Zahl beschreibt die Ringsteifigkeit bzw. die Ringsteifigkeitsklasse eines Rohres.

Von Omniplast werden im Hochlastrohr-Bereich das Vollwand-Kanalrohr Primus HL SN 12 und das coextrudierte Bipeau Ultra SN 16 produziert sowie passende Spritzguss-Formstücke mit einer SDR-Zahl 41 hergestellt. SN 12 bedeutet, dass das Rohr bzw. das Formstück eine Mindestringsteifigkeit von ≥ 12 kN/m² aufweisen muss, SN16 entsprechend eine Ringsteifigkeit ≥ 16 kN/m2.

Auf dem Markt werden auch Mehrschichtrohre und Formstücke mit der gleichen Ringsteifigkeit (SN12) hergestellt, die eine SDR-Zahl von 34 aufweisen, d.h. im Vergleich zu den Omniplast- Rohren sind diese Formstücke dickwandiger, allerdings ohne eine andere Ringsteifigkeit aufzuweisen.

Die Omniplast-Formteile entsprechen je nach Ausführung der Ringsteifigkeitsklasse SN8, SN12 und SN16 . Da generell alle Omniplast-Formteile nachgewiesene Mindestringsteifigkeiten von ≥ 12 kN/m² also in der Regel deutlich höhere Werte als 12 kN/m² aufweisen, ist die Vorgabe von mindestens 8kN/m² stets mehr als erfüllt; auch bei unseren SN16-Formteilen.

Bei Planungen und Ausschreibungen kommt es häufig zu Schwierigkeiten bzw. Unklarheiten: Teilweise wird in diesen Ausschreibungen vorgegeben bzw. beschrieben, dass Formstücke der Spezifikation „SDR 34“ aufweisen müssen bzw. dass die DIN 1401-1 ein SDR 41-Formteil bei Rohrsegmenten mit SN 12 und SN 16 nicht zulasse. Das ist fehlerhaft und verkennt den Norminhalt. Hinzu kommt, dass häufig auch nicht der Nachweis der Ringsteifigkeit von Rohrstücken und Formteilen nach ISO 9969 bzw. ISO 13967 zugelassen wird, sondern von der SDR-Zahl auf die Ringsteifigkeit geschlossen wird. Auch dies ist fehlerhaft und verkennt die Normbedeutung. Dies kann dann zum Ausschluss geeigneter und vorteilhafter Rohrsysteme in Planung und Ausschreibung führen und damit zu einem Nachteil bei den Auftraggebern.

Beim Vergleich von Formteilen mit SDR 34 zu SDR 41 wird im Tiefbau und Kanalbau teilweise die Meinung vertreten, dass eine kleinere SDR-Zahl (und damit eine größere Wandstärke) automatisch eine höhere Ringsteifigkeit bedeutet. Das ist aber falsch.

Aus einer geringeren Wanddicke eines Bauteils folgt nicht zwingend eine geringere Ringsteifigkeit bei einem Formstück. Bei Omniplast wird durch eine Optimierung des eingesetzten, sehr hochwertigen PVCs und einen intelligenten Materialeinsatz bei SDR 41 die geforderte Ringsteifigkeit der Formstücke von ≥ 12 kN/m² erreicht und mit Gutachten auf Normbasis nachgewiesen.
Zusätzlich gilt: Nach der DIN 1401-1 dürfen SDR 41-Formteile mit SDR 34-Rohren (wie unser Primus HL SN 12 & Bipeau Ultra SN 16) verbaut werden, so dass jederzeit die Normkonformität gewährleistet ist.

Bei der Ermittlung der technischen Eignungsverhältnisse eines Rohrsystems hat die SDR-Zahl nach der Norm eine Indikatorfunktion, trifft aber keine tatsächliche Aussage über die Ringsteifigkeit. Wenn bei unterschiedlichen (hier: geringeren) Wandstärken gleiche oder bessere Belastungsverhältnisse erreicht (gemessen) werden, so ist trotz unterschiedlicher SDR-Zahlen eine Gleichwertigkeit bzw. normgerechte Eignung gegeben. Durch die vollständige Einhaltung der DIN 1401-1 und der DIN-EN 13476 sind alle Primus- & Bipeau- Bauteile uneingeschränkt bauaufsichtlich allgemein zugelassen, ohne dass es also einer gesonderten, individuellen bauaufsichtlichen Zulassung bedürfte.

Dies wird z.B. durch DIN CERTCO und die MFPA in Leipzig regelmäßig für die Rohrsysteme von Omniplast mit Überprüfungen nachgewiesen.

Teilweise werden in Ausschreibungen für SN 12-Rohre und passende Formstücke auch herstellerbezogene DIBt-Zulassungen gefordert und damit die aus der DIN gegebene allgemeine Zulassung ausgeschlossen. Es gibt aber niemals einen sachlichen Grund, statt eines Normbauteils ein individuell zugelassenes Bauteil vorzuziehen, da die individuelle Bauartzulassung nur die Gleichwertigkeit zur Norm feststellt, aber keinen Vorteil beschreibt. Das Primus HL SN 12 ist uneingeschränkt einsetzbar, da es konform mit der DIN 1401-1 ist und keine gesonderte Zulassung mehr benötigt.

Der Ausschluss normierter Bauteile und stattdessen die Forderung nach einer individuellen Bauartzulassung ist vergaberechtlich nicht zulässig, da es keine sachlichen Gründe dafür gibt. Zusätzlich wird dadurch ohne sachlichen Grund der Bewerberkreis bzw. dessen Lieferantenauswahl beschränkt. Dies aber berührt den Kern und Zweck des Vergabeverfahrens, das wirtschaftlichste Angebot herauszufinden. Deshalb ist vergaberechtlich stets der Gleichwertigkeitsnachweis zuzulassen. Im besten Fall können solche fehlerhaften Ausschreibungen nur mit Unkenntnis der tatsächlichen fachlichen Zusammenhänge erklärt werden.

Weitere Informationen unter:
www.omniplast.de
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