Das Kaltrecycling (KRC) bituminös bzw. teer-/pechhaltig gebundener Fahrbahnen wird weltweit erfolgreich eingesetzt. Hierzulande ist es jedoch bis jetzt noch stark unterrepräsentiert – der Nachholbedarf ist entsprechend groß. Erfahrungen aus Rheinland-Pfalz belegen: Die Bauweise ist schnell, sie ist klimaschonend, sie schützt und schont wertvolle Ressourcen und ist zudem noch kostengünstig. Dies gilt vor allem für die Sanierung von Straßen geringer bis mittlerer Belastungs- klassen – mit und ohne teer-/pechhaltigen Befestigungen.

Die Sanierung schadhafter Kreisstraßen ist ein idealer Einsatzbereich für das Kaltrecycling in situ gemäß Merkblatt KRC (M KRC). Der Oberbau wird an Ort und Stelle in eine KRC-Schicht umgewandelt und mit einer neuen Asphaltdeckschicht und / oder einer Asphalttragschicht überbaut. Das anstehende Material wird dafür vorgefräst, homogenisiert und profiliert. Bei Bedarf wird das anstehende Schottermaterial bzw. die Packlage gebrochen und ebenfalls homogenisiert. Nachdem das hydraulische Bindemittel vorgestreut ist, kommt der Kaltrecycler bzw. Mixpaver zum Einsatz. Diese „fahrbare 3-in-1-Maschine“ ist Fräse, Mischer und Einbaufertiger zugleich. Im Mischer wird die Bitumenemulsion und erforderliches Wasser dazugegeben. Dieses Kaltmischgut wird dann unmittelbar an Ort und Stelle mit der integrierten Einbaubohle eingebaut.

Sinnvolle Nutzung der Ressourcen

Unsere schadhaften Kreis- und Landstraßen wurden zum Teil schon in den 40er- und 50er-Jahren des letzten Jahrhunderts aus bestens geeigneten Gesteinskörnun­gen gebaut, die aus den örtlichen Steinbrüchen gewonnen wurden. Diese Baustoffe können beim KRC an Ort und Stelle wiederverwendet werden und erfahren eine Renaissance der Premiumklasse. Selbst eine nochmalige Aufbereitung in gleicher Art und Weise nach vielen Jahren ist unproblematisch. Kurz: Gibt es ein nachhaltigeres Bauverfahren im Straßenbau als KRC?

Wirtschaftlicher als klassischer Aus- und Einbau

Bei dieser Bauweise entfällt nicht nur der Ausbau und die übliche Entsorgung aller gebundenen und zum Teil auch ungebundenen Schichten, die Aufbereitung bzw. Erneuerung der Frostschutzschicht und gegebenenfalls noch der Einbau einer HGT oder einer Verfestigung, sondern es entfallen auch alle mit diesen Arbeiten verbundenen Transporte. Darum ist das Kaltrecycling hier die wirtschaftlichste Variante der Fahrbahnerneuerung.

Recycling vor Ort besser als teure Entsorgung

Das gilt insbesondere, wenn die zu sanierende Fahrbahn pech-/teerhaltig gebunden ist, denn beim KRC-Prozess werden die vorhandenen PAK (Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe), oder kurz der Teer, immobilisiert und dauerhaft in der neuen Schicht umweltsicher gebunden.

Im klassischen Verfahren wird der gesamte teerhaltig gebundene und ungebundene Aufbruch entweder über große Entfernungen auf Straßen oder Wasserstraßen ins Ausland transportiert und dort thermisch verwertet oder auf zugelassenen Abfalldeponien verkippt und entsorgt. Beide Methoden sind ausgesprochen teuer, energieintensiv und alles andere als nachhaltig.

„Beim Kaltrecycling in situ entfällt die Entsorgung. Der gesamte vorhandene, gute und wertvolle Straßenbaustoff – ein Material fast ohne Vergang – wird umweltgerecht und qualifiziert als Grundlage für eine neue Fahrbahn eingesetzt. Das ist Premium-Recycling. Daher können mit dem KRC gerade kommunale Straßen und Kreisstraßen schnell und wirtschaftlich revitalisiert werden“, sagt Dipl.-Ing. Andreas Tiemann.

1,4 km saniert – rund 500 Transporte gespart

Das zeigt auch die Sanierung einer 1,4 km langen, schmalen Kreisstraße bei Paschel im westlichen Rheinland-Pfalz. Die Erkundungsuntersuchungen im Vorfeld haben gezeigt: Der vorhandene gebundene Fahrbahnaufbau erreichte die Mindestanforderungen für die notwendige Belastungsklasse nicht mehr, war nicht frostsicher und nicht ausreichend tragfähig. Eine Sanierung im Hocheinbau war nicht zielführend, und die Fahrbahnbreite von 4,50 – 4,70 m war nicht mehr zeitgemäß.

„Das Kaltrecycling war für uns die sinnvollste Art, diese Straße zu sanieren und zu verbreitern. Mit dieser Bauweise konnten wir die vorhandene Fahrbahnkonstruktion schnell und zuverlässig strukturell instand setzen. Zudem war das KRC auch bei den Kostenschätzungen eindeutig überlegen“, berichtete Peter Braun, Leiter der Fachgruppe Bau beim Landesbetrieb Mobilität (LBM) RLP in Trier, beim 11. Trierer Straßenbautag der VSVI im April 2026. Dort wurde das Thema ausführlich vor rund 500 Fachleuten aus dem Straßenbau präsentiert und diskutiert.

Dazu kam die kurze Bauzeit und eine Entlastung durch weniger Transporte. Beim Vollausbau inklusive Frostschutzschicht hätten 10.000 m³ von und zur Baustelle bewegt werden müssen, also rund 900 Fahrten mit LKW-Sattel-aufliegern. Bei der Kaltrecyclingvariante reduziert sich das Transport- volumen deutlich – um rund 500 Fahrten von 900 auf nur 400 Transporte.

CO2, Zeit und Kosten: Kaltrecycling übertrifft konventionelle Bauweise

Diese Zahlen werden auch durch eine Master- thesis der Hochschule Koblenz untermauert. Beim Vergleich von KRC mit der konventionellen Bauweise einer typischen Baumaßnahme ergaben sich 80 % weniger Transportfahrten, 22 % geringerer Bedarf an neuem Mischgut, 76 % weniger CO2-Emissionen, 54 % weniger Bauzeit und 58 % geringere Kosten.

Qualität auch nach Jahren unverändert gut

Auch von der Qualität und Dauerhaftigkeit – und damit der Nachhaltigkeit – des Kaltrecyclings ist das Team des LBM in Trier überzeugt. „Wir setzen seit vielen Jahren KRC- Maßnahmen um und haben seither teer-/pechhaltige, aber auch teer-/pechfreie, unbelastete Fahrbahnen in dieser Bauweise erneuert. Sie sind bis heute einwandfrei – selbst dort, wo Fahrbahnen tatsächlich mehr Verkehr aufnehmen als bei der Sanierung angenommen wurde“, so Peter Braun beim Trierer Straßenbautag der VSVI.

Autor: Dipl.-Ing. Andreas Tiemann, Schnorpfeil Bau GmbH

Weitere Informationen unter:
www.schnorpfeil.com
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