NICHT REDEN – MACHEN Erneuerbare Energien als Marketingfaktor einer Kommune

Das ohne Energie der heutige und zukünftige Wohlstand nicht möglich ist und wäre, bedarf keiner großen Erklärung. Strom kommt aus der Steckdose und Wärme ist immer verfügbar. Beim Thema Energie müssen wir aber europäisch und weltweit denken. In Europa geht die Förderung von Gas zurück, während die Nachfrage gleichzeitig steigt.
Die großen Energieplayer E.on RWE aber auch Entega und andere Versorger setzen immer mehr auf erneuerbare Energien. Mit Uniper hat E.on den Bereich komplett ausgegliedert und auch RWE setzt mit Amperion auf dieses Pferd.
Die Westnetz GmbH als größter deutscher Verteilnetzbetreiber weist steigende Werte bei installierter Leistung, Strom- und Biogaseinspeisung und dem Anteil am Endverbraucherabsatz im Jahr 2015 auf.
Die Stromeinspeisung aus erneuerbaren Energien stieg im Jahr 2015 um rund 20,6 Prozent auf 16,5 Milliarden Kilowattstunden (2014: 13,7 Milliarden Kilowattstunden). Dies entspricht dem jährlichen Stromverbrauch von mehr als 4,7 Millionen Haushalten. 201 Millionen Kilowattstunden Biogas in Erdgasqualität wurden 2015 in das Netz der Westnetz eingespeist, was einem Anstieg um rund 26,4 Prozent entspricht (2014: 159 Millionen Kilowattstunden).
Die Zahl der Anlagen nahm um rund 3,0 Prozent auf 156.516 zu (2014: 152.030). Die installierte Leistung erhöhte sich um rund 5,9 Prozent auf 9.236 Megawatt (2014: 8.721 Megawatt).
Die erneuerbare Energiequelle mit dem höchsten Anteil an installierter Leistung im Netzgebiet der Westnetz ist unverändert die Windenergie (5.046 MW), gefolgt von der Solarenergie (3.334 MW), Biomasse (629 MW), Deponie-, Klär- und Grubengasen (134 MW) und Wasserkraft (94 MW).
Der Anteil am Endverbraucherabsatz stieg um 12,7 Prozent auf 32,7 Prozent in 2015 (2014: 29,1 Prozent). Des Weiteren nahm die an die Anlagenbetreiber gezahlte Einspeisevergütung ebenfalls um rund 18,7 Prozent auf 2,29 Milliarden Euro (2014: 1,93 Milliarden Euro) zu. (Zahlen: Westnetz vom 14.03.2016 www.westnetz.de)

Was hat sich getan?
Im Jahr 2010 durfte ich für die Wuppertal-Marketing eine Studie erheben, ob Nachhaltigkeit ein Marketingfaktor für eine Kommune ist. Hieraus habe ich das Buch „Vorfahrt Nachhaltigkeit“ zusammengestellt. Dort habe ich auch die Studie des renommierten Wuppertal-Institutes über Zukunftsperspektiven der kommunalen Energieerzeuger, sowie einen Beitrag von Steven März über die Kommune als Klimaschützer (Beispiel Dortmund) veröffentlicht. Schon damals war es klar, dass erneuerbare Energie für eine erfolgreiche Kommune von großer Bedeutung werden wird. Obwohl es erst 6 Jahre her ist, war zu dieser Zeit, für viele Menschen Nachhaltigkeit nur etwas „Grünes“ und ganz eng mit ÖKO verbunden. Oft wurde ich gefragt, ob ich nun vom anzugtragenden Unternehmer zum jutetragendem Umweltschützer und Weltverbesserer mutiere. Fragen-stellenden die mir relativ egal waren, habe ich nur kurz geantwortet, dass ich die Frage nicht verstehe und ob sie nicht wüssten, wie eng Ökonomie und Ökologie in der Nachhaltigkeitsstrategie verknüpft sind. Menschen die ich gern überzeugen wollte, habe ich erläutert, wie wichtig für die Menschheit und für die Wirtschaft nachhaltiges Handeln ist. Und zwar nicht in tausend Jahren sondern jetzt und maximal noch für unsere Kinder und Enkel. Ganz egoistisch sollte man das Thema angehen. Denn der Erde-der Natur ist es soewtas von wurscht, was wir hier machen. Sie hat sich noch immer von allen möglichen Katastrophen erholt. Und der Mensch als größte Katastrophe für die Erde wird sie auch überstehen.Und wenn es 1 Millionen Jahre dauert. Auch wenn wir das nicht gern hören, aber wir sind da so unwichtig, dass wir möglichst schnelle Strategien entwickeln sollten, die uns ein komfortables Leben in den nächsten hundert Jahren sichert. Während meiner Recherchen bin ich in vielen Bereichen der Kommune und bei vielen Unternehmen auf Granit gestoßen. Nur ungern wurden Zahlen oder positive Beispiele genannt. Nachhaltigkeitsberichte oder Nachhaltigkeit als Marketingfaktor war nur bei größeren Unternehmen zu erkennen. Auch in der Kommune selbst, gab es zwei Lager. Nach Außen war auch der damalige Bürgermeister für umweltbewusste Maßnahmen. Doch wenn man genauer nachforschte, so war es mehr Politik als Bewusstsein. Recycling-Papier sehr gern, aber bitte nicht bei mir, war da so ein Paradebeispiel. „Er müsse ja repräsentieren.“
Schauen wir aber zuerst auf die Zahlen.
2010
Die Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung ist in viele verschiedene Bereiche aufgeteilt. Der Bereich 3 Zukunftsfähige Energieversorgung ausbauen, sagt aus, dass die Ziele wohl mehr als erreicht werden.
3a Anteil erneuerbarer Energien am Endenergieverbrauch
3b Anteil des Stroms aus erneuerbaren Energiequellen am Stromverbrauch
Die Reserven wichtiger fossiler Energieträger wie Öl und Gas sind begrenzt und ihre Nutzung ist mit der Emission von Treibhausgasen verbunden. Ein Umstieg auf erneuerbare Energien (EE), die sich als natürliche Energiequellen ständig regenerieren, verringert die energetisch bedingten Emissionen und damit das Ausmaß des Klimawandels. Ziel der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung ist es, den Ausbau erneuerbarer Energieträger voranzutreiben. Zu den erneuerbaren Energien zählen u. a. Wasserkraft, Windkraft, Solarenergie und Geothermie, aber auch Biomasse und der biologisch abbaubare Anteil von Abfällen aus Haushalten. Die Entwicklung des Einsatzes der EE wird in der Nachhaltigkeitsstrategie anhand der Indikatoren „Anteil erneuerbarer Energien am Endenergieverbrauch“ (3a) und „Anteil des Stroms aus
erneuerbaren Energiequellen am Stromverbrauch“ (3b) gemessen. Entsprechend der EU-Richtlinie 2009/28/EG soll der Anteil der EE am gesamten Bruttoendenergieverbrauch in der EU bis zum Jahr 2020 auf 20 % steigen. Für Deutschland ergibt sich hieraus ein Zielwert von 18 %, der in die Nachhaltigkeitsstrategie übernommen wurde. Im Jahr 2050 soll dieser Anteil 60 % betragen. Bei der Stromerzeugung war das Ziel der Bundesregierung, bis zum Jahr 2010 einen Anteil der EE von 12,5 % zu erreichen. Bis 2020 soll sich dieser Anteil auf mindestens 35 % und bis 2050 sogar auf mindestens 80% erhöhen. Im Zeitraum 1990 bis 2010 stieg der Anteil der EE am Endenergieverbrauch von 1,9 % auf 10,9 %. Bei einer Weiterentwicklung wie in den letzten fünf Jahren würde das Ziel für 2020 mehr als erreicht.

2015

Der Anteil der erneuerbaren Energien am gesamten Bruttoendenergieverbrauch (3a) soll bis
zum Jahr 2020 auf 18 % und bis 2050 auf 60% steigen. Der Anteil des Stroms aus
erneuerbaren Energiequellen am (Brutto-)Stromverbrauch (3b) soll nach dem Koali-
tionsvertrag zur 18. Legislaturperiode bis 2025 auf 40–45%, bis 2035 auf 55–60
% und bis 2050 sogar auf mindestens 80 % erhöht werden. Im Zeitraum 1990 bis 2013 stieg der Anteil der EE am Endenergieverbrauch von 2% auf 12,3%. Bei einer Weiterentwicklung
wie in den letzten fünf Jahren würde das Ziel für 2020 mehr als erreicht. Der Anteil
am Stromverbrauch erhöhte sich von 1990 bis 2013 von 3,4 % auf 25 %.Die positive Entwicklung wurde durch gesetzliche Maßnahmen wie das fortentwickelte Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) befördert.

Die Zahlen stimmen positiv, auch wenn zwischen 2010 und 2013 der Anstieg lediglich 0,46 % jährlich betrug, was für mich jetzt nicht nach einem Erreichen des 2020er Ziels aussieht.

Die Herausforderung

Der Wettbewerb im Energiemarkt nimmt zu und der hohe Investitionsbedarf zur Umsetzung der Energiewende stellen die „kleinen“ kommunalen Energieversorgungsunternehmen vor große Herausforderungen. Stadtwerke sind aber immer noch eine große Einnahmequelle für die Kommunen und leisten große Beiträge für die kommunale Infrastruktur. Aber wir haben auch in den Jahren der Liberalisierung gesehen, dass die Stadtwerke in der Bevölkerung eine so wichtige Rolle spielen und spielen werden, dass es eine Energiewende nicht ohne die Stadtwerke geben wird.
Die Erschließung neuer Geschäftsfelder, die Abkehr von der konventionellen Stromerzeugung und der Stärkung der regenerativen, dezentralen Energieerzeugung werden im Fokus der Stadtwerke stehen. Dieses wurde auch gerade in einer Studie von Rödl & Partner in einer neusten Studie belegt. (http://www.roedl.de/medien/downloadcenter/)
Doch nicht die Stadtwerke alleine sind gefragt. Es Bedarf der großen Unterstützung der Kommune. Die Verantwortlichen einer Stadt müssen sich ihrer Verantwortung bewusst sein und in vielen Bereichen eine Vorreiterrolle übernehmen und Vorbild für Bürger und Unternehmen sein. Gerne werden angespannte finanzielle Situationen in der Kommune als Gegenargument für Neuerungen vorgeschoben. Gerne wird aber einfach nur die Verantwortung weitergeschoben. „Das Land muss mehr machen“, „Der Bund ist gefragt“ und so weiter… Natürlich müssen die Voraussetzungen geschaffen werden. Aber nachhaltige Strategien einer Stadt sind mehr als nur „etwas für die Umwelt“ zu tun. Es wird auch den wirtschaftlichen Erfolg einer Kommune mitbestimmen. Bürger und Unternehmen achten bei der Standortwahl immer mehr auf nachhaltige Faktoren.
Was sich bei Unternehmen langsam entwickelt, dass Nachhaltigkeit ein großer Marketingfaktor für ein Unternehmen sein kann, ist in der Kommune noch nicht sehr ausgeprägt. Natürlich gibt es viele gute Beispiele von Vorzeigeprojekten :
Breklum (Schleswig-Holstein): „Erneuerbares Kraftwerk“
Ein großes Gebäude mit rauchenden Schornsteinen – so stellen sich viele ein Kraftwerk vor. Das „Erneuerbare Kraftwerk“ im nordfriesischen Breklum sieht völlig anders aus: Es besteht im Wesentlichen aus Servern und Computern. Denn in Breklum wird kein Strom hergestellt. Vielmehr dient das „Kraftwerk“ als virtuelle Leitstelle, in der die Erzeugung erneuerbarer Energien in der Region gemessen, verbunden und gesteuert wird. So können die 250 mittelständischen Betreiber, die im „Erneuerbaren Kraftwerk“ zusammengeschlossen sind, trotz der wetterabhängigen Erzeugung von Solar- und Windstrom bedarfsgerecht Elektrizität liefern.
Gailingen (Baden-Württemberg): Biogas aus Wildpflanzen
Ein Landwirt in Südbaden zeigt, wie man mit Biogasanlagen eine nachhaltige Stadtentwicklung fördern kann: indem man sie nicht mit Mais betreibt, sondern Wildblumen dafür nutzt. Die baut er auf neun Hektar Ackerfläche an. Da die bunten Pflanzen kein Dünge- oder Schutzmittel brauchen und nach der Aussaat über mehrere Jahre geerntet werden können, lohnt sich das für den Bauern auch wirtschaftlich. Der Großteil des Biogases wird in einem Blockheizkraftwerk verbrannt, um ein Krankenhaus in der Region mit Wärme und Strom zu versorgen.
Regen (Bayern): Strom aus dem Garten
Wenn es um nachhaltige Städte in Deutschland geht, darf das bayrische Regen nicht fehlen. Die dortige Grüngutvergärungsanlage ist weniger kompliziert als sie klingt: In der Anlage werden Gartenabfälle wie Rasenschnitt zur Energieerzeugung genutzt. Das Biogas, das bei der Vergärung des Grases entsteht, wird in einem Blockheizkraftwerk verbrannt und zur Stromerzeugung genutzt. Mit der anfallenden Abwärme wiederum werden Wohnhäuser beheizt. Die Gärreste dienen als hochwertiger Kompost und das Presswasser als Flüssigdünger – so bleibt keine Grünfaser ungenutzt.
Kerpen-Horrem (Nordrhein-Westfalen): „Grüner Bahnhof“
Dass die Bahn ein vergleichsweise klimafreundliches Verkehrsmittel ist, steht außer Frage. Dass sie auch die nachhaltige Stadtentwicklung in Deutschland fördert, zeigt der erste klimaneutrale Bahnhof Europas im nordrhein-westfälischen Kerpen: Das Gebäude wird mithilfe einer Geothermieanlage geheizt, eine Photovoltaikanlage auf dem Dach erzeugt jährlich 31.000 Kilowattstunden Strom. Solarthermie-Module sorgen für warmes Wasser, zudem wird das Regenwasser der begrünten Dachflächen für die Toilettenspülung genutzt. Im Bahnhof gibt es außerdem USB-Ladeanschlüsse und eine WLAN-Verbindung – so gelangt die nachhaltig erzeugte Energie bis zu den Endgeräten der Bahnkunden.
Dresden (Sachsen): Abwasserkanal heizt Kirche
Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach eines Gotteshauses? Auch das ist moderne ökologische Stadtentwicklung, wie die Weinbergskirche in Dresden zeigt. Die Anlage liefert den Strom für eine Wärmepumpe, die einem nahe gelegenen Abwasserkanal Wärme entzieht und damit das Gebäude beheizt. Auf diese Weise wird ein Großteil des Wärmebedarfs der Kirche gedeckt. Für den restlichen Bedarf wird eine Gasbrennwerttherme genutzt.
(Quelle: Entega-Nachhaltige Stadtentwicklung)
Hiervon gibt es sicherlich noch viele Beispiele, aber der offensive Umgang mit solchen Projekten fällt vielen Städten noch schwer.
Dabei habe ich In vielen Gesprächen mit weltweit agierenden Unternehmen wie zum Beispiel Kärcher, Daimler, Henkel und so weiter, festgestellt, dass bei der Standortwahl nachhaltige Faktoren eine immer größere Rolle spielen. Aber auch für die Anwerbung von Studenten und junge Familien die für eine erfolgreiche Stadtentwicklung wichtige Zielgruppen sind, ist das Thema erneuerbare Energien immer wichtiger.
2015 wurde übrigens – zur großen Überrasschung vieler- in Wuppertal ein neuer Oberbürgermeister gewählt. Vielleicht ist Nachhaltigkeit ja auch ein Marketingfaktor in eigener Sache.

Andreas Macke
Bild: Buch Vorfahrt Nachhaltgkeit-Fotalia18298512