Lokale Agenda 21 – Nachhaltige Entwicklungen in ländlichen Gemeinden (Teil 3)

von Dr. habil. Lütkemeier, Amt für Landwirtschaft Bernburg

Die Ziele der Agenda 21 sollten mit den Kerninhalten der Planungen, Programme und Maßnahmen zusammengeführt werden. Bewußtsein schaffen und informieren, d.h. die Bürger werden über Umwelt- und Entwicklungsfragen sowie über geplante und initiierte Maßnahmen informiert, durch Beratungen befähigt, sich an der Umsetzung der Agenda aktiv zu beteiligen. Hier bewährt sich eine breite vielfältige Öffentlichkeitsarbeit, z.B. auch die Mängelmeldung („Bürger helfen ihrer Verwaltung“) im turnusmäßigen erscheinenden Amts- und Informationsblatt.

Öffentlichkeit anhören und beteiligen. Eigeninitiativen und Bürgerbeteiligungen müssen unterstützt werden. Vor allem können auch Schulen wirkungsvoll einbezogen werden, d.h. Kinder und Jugendliche bringen sich in Arbeitsgemeinschaften, Projekten etc. in den Agenda-Prozeß ein. Senioren, z.B. durch Zusammenarbeit mit dem Heimatverein. Die Beteiligung verschiedener gesellschaftlicher Gruppen, insbesondere durch Fraueninitiativen, hat sich sehr bewährt. Zunehmend mit positiven Wirkungen bringt sich die Landwirtschaft in die Kommunalentwicklung ein. Direktvermarktung vom Hof oder regionale Vermarktungseinrichtung, Landschaftspflege, vielfältige Dienstleistungen im Freizeit- und Tourismusbereich, Hoffeste etc. zeugen von deren Leistungsfähigkeit. Die Landwirte leisten einen wichtigen Beitrag für die Erhaltung einer bestimmten ländlich-agrarischen Lebensqualität.

Neue Partnerschaften bilden und unterstützen, schließen auch privatwirtschaftliche Finanzierungselemente in der Durchführung öffentlicher Investitionen, z.B. für die Infrastrukturentwicklung, ein. Kluge Kooperationen und strategische Allianzen sind für die Umsetzung der Lokalen Agenda 21 zunehmend von besonderer Relevanz und für eine zielgerichtete eigenständige Regionalentwicklung dringend Erfordernis. Fortschritte in Richtung Nachhaltigkeit überwachen, d.h. die tatsächlichen Fortschritte in Richtung Nachhaltigkeit sind zu bewerten, Fehlentwicklungen bzw. falsche Ansätze zu korrigieren. Gesetzliche Grenz- und Richtwerte, von verschiedenen Kommunen erprobte Indikatorenlisten lassen interkommunale Vergleiche zu. Eine fortlaufende Erfolgskontrolle, das Erarbeiten von Qualitätszielen und neuen Maßstäben sind eine Grundvoraussetzung für eine zielgerichtete Verstetigung des Agenda-Prozesses. Generell gilt, das Aktionsprogramm ist nicht unumstößlich, es ist immer wieder zur Disposition zu stellen, den aktuellen Rahmenbedingungen anzupassen, so daß Veränderungen und neu auftretende Probleme integriert werden können. Denn: Die lokale Agenda ist ein dauerhafter Lernprozeß für alle! Darin eingeschlossen sind enge Zusammenarbeit mit ortsansässigen Betrieben und Unternehmen, die im Sinne der Agenda wirtschaften bzw. wichtige Ansätze entwickelt haben. Gute Ergebnisse wurden z.B. in der Energiebewirtschaftung kommunaler Gebäude (Einsparungen bis zu 20%) und in die Verbesserung des Wärmeschutzes erreicht. Mit dem Öko-Audit wurde ein neues Konzept für den betrieblichen Umweltschutz geschaffen. Zielgruppen sind kleine und mittlere Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft.

Fazit

  1. Entscheidend ist, daß die Gemeinden eine lokale Agenda als Aufgabe erkennen, in ihren Initiativen zukunftsfähige Entwicklungen voranbringen, die sozial verträglich, ökonomisch tragfähig und ökologisch verantwortbar sind. Die Kommunalverwaltungen informieren und mobilisieren ihre Bürger, örtliche Organisationen und die Privatwirtschaft und treten mit ihnen in einem Dialog zur „kommunalen Agenda“.
  2. Die Dorferneuerung als eine wichtige kommunale Aufgabenstellung kann sehr zukunftsfähig mit der Entwicklung einer Lokalen Agenda 21 verbunden werden.
  3. Eine Schwerpunktsetzung ist unerläßlich. Aufbauend auf Vorhandenem sollten wichtige örtliche Themen und Handlungsfelder mit konkreten Entscheidungsprozessen vor Ort verbunden werden. Keine Lokale Agenda 21 muß bei Null anfangen.
  4. Es ist entschieden zu vermeiden, die Agenda 21 als reines Umweltprogramm aufzubauen, ökologische Ansätze sind mit wirtschaftlichen, sozialen und entwicklungspolitischen Aspekten zu verknüpfen.
  5. Das Aktionsprogramm sollte Maßnahmen in einem realistischen Zeitrahmen für die kurz-, mittel- und langfristige Umsetzung festlegen. Damit werden Prioritäten gesetzt und realisierbare ergebnisorientierte Programme erarbeitet.

Auf der kommunalen und regionalen Ebene ist der Zusammenhang zwischen wirtschaftlichen Aktivitäten und lokaler Umweltsituationen sehr eng. Die „Ökonomie“ muß Bestandteil jedes einzelnen Handlungsfeldes sein.

Mit dem Aktionsprogramm einer Lokalen Agenda 21 strebt ein Gemeinderat an, durch Mitverantwortung der dörflichen Gemeinschaft das selbstverantwortliche Handeln auf kommunaler Ebene zu stärken, Impulse für wirtschaftliche, ökologische und kulturelle Eigeninitiative in der Gemeinde auszulösen. Schrittweise muß es gelingen, die Bürger für neue Konzepte und Formen der Bürgermitwirkung und damit gemeinsam getragene Zukunftsarbeit einzubinden. Die Agenda 21 braucht Akteure, Instrumente und breite Öffentlichkeit, wendet sich an alle Träger von Handlungsverantwortung. Die Agenda 21 findet nicht in Deklarationen und auf dem Papier statt, sondern in den Köpfen und Projekten vor Ort. Dabei sind die Förderung der Ideen und Kreativität, die als Multiplikatoren zum Erfolg führen durch Hilfe zur Selbsthilfe sehr wichtig.

Der eingeschlagene Weg muß konsequent weitergeführt werden; aus den Problemen Chancen entwickeln!

Der Begriff „Agenda“ kommt von agere = handeln, tun wir es gemeinsam!

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