Geht es um Gewerbeansiedlungen, stehen Logistikimmobilien in vielen Kommunen häufig noch im Schatten anderer Nutzungsarten wie beispielsweise der Produktion. Skeptisch sehen die kommunalen Entscheidungsträger meist den Flächenbedarf, die mit dem Betrieb verbundenen Verkehre oder einen als gering wahrgenommenen Beschäftigungseffekt. Doch diese Sichtweise greift zu kurz. Die Logistik hat sich in den vergangenen Jahren zu einer Schlüsselbranche entwickelt, die Versorgungssicherheit, Beschäftigung und nachhaltige Standortentwicklung miteinander verbindet – und damit gerade für Kommunen neue Chancen eröffnet.

Logistikimmobilien sind zudem oft mehr als reine Umschlag-, Lager- oder Distributionshallen. Genutzt werden sie nicht nur von Spedition, Handel und Logistik, sondern auch von Unternehmen aus dem Bereich Light Industrial. Sie vereinen in den modernen Multifunktionsgebäuden Büro, Logistikfläche und leichte Produktionstätigkeiten mit geringer Fertigungstiefe – beispielsweise Montage von Komponenten oder Reparaturservices. Eine Nutzung, die zur Diversifizierung beiträgt und die Struktur der lokalen Wirtschaft stärken kann.

Logistik bietet breites Spektrum an Arbeitsplätzen

Logistikansiedlungen schaffen Arbeitsplätze – mehr als oft vermutet. So liegt die durchschnittliche Arbeitsplatzdichte in der Logistik, also die Zahl der Beschäftigten pro 1.000 Quadratmeter Hallenfläche, nur leicht unter der im Bereich Produktion. Setzt man die Bautätigkeit in Logistik und Produktion ins Verhältnis zu den dadurch geschaffenen Arbeitsplätzen, wurden in Summe durch die Ansiedelung von Logistikimmobilien – in der Regel die für Gewerbegebiete typischen kleineren Hallen mit 8.000 bis 12.000 Quadratmetern Fläche – in den vergangenen Jahren (seit 2000) der Großteil der Jobs geschaffen, nämlich 83 Prozent. Die Produktion kommt auf 17 Prozent. Aktuell ist zu beobachten, dass sich die Zahl der Beschäftigten in klassischen Produktionsbranchen eher verringert, während der Logistiksektor nach wie vor Bedarf an Fach- und Arbeitskräften vermeldet. Auch weil Unternehmen unter Rationalisierungsdruck weiterhin Bestandteile der Wertschöpfungskette an die Logistik auslagern.

In modernen Logistikzentren findet sich zudem ein breites Spektrum an Arbeitsplätzen: vom gewerblichen Personal für Lager und Umschlag über Mitarbeiter im kaufmännischen Bereich bis hin zu hochqualifizierten Fachkräften für Automatisierung, Robotik, IT- und datengetriebene KI-Systeme. Diese Entwicklung sorgt für eine gesunde Durchmischung lokaler Arbeitsmärkte. Dabei bietet die Logistik im gewerblichen Bereich auch Chancen für Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung. Für viele Kommunen kann das ein entscheidender Hebel zur Senkung der Arbeitslosenquote und zur Stabilisierung der regionalen Kaufkraft sein.

Logistikimmobilien stärken kommunale Wirtschaftskraft

Logistikansiedlungen können entscheidende Impulse für die wirtschaftliche Entwicklung einer Kommune setzen. Sie sichern nicht nur die Versorgung von Bevölkerung und Industrie, sondern generieren auch relevante Gewerbesteuereinnahmen. Ebenso können dadurch Sog- effekte für weitere Unternehmensansiedlungen entstehen, zum Beispiel aus den Bereichen Produktion und Handel, aber auch der Verteidigungsindustrie, die ihre Logistik in den kommenden Jahren zwingend ausbauen muss und dazu die Unterstützung ziviler Leistungserbringer benötigt. In einer zunehmend globalisierten Wirtschaft, in der Lieferketten komplexer und störanfälliger werden, steht ein leistungsfähiger Logistikstandort auch für wirtschaftliche Resilienz – ein klarer Standortvorteil im Wettbewerb um Investitionen und Arbeitsplätze.

Nachhaltigkeit als Standortfaktor

Das Thema Nachhaltigkeit hat bei der Realisierung von Logistikprojekten deutlich an Relevanz gewonnen. Immer mehr Entwickler und Betreiber setzen auf ökologische Bau- und Betriebskonzepte: Photovoltaikanlagen auf Dachflächen, Luftwärmepumpen und moderne Dämmmaterialien gehören mittlerweile zum Standard. Doch die Möglichkeiten nachhaltiger Bauweise sind damit bei Weitem nicht ausgeschöpft. Im Hafen der Stadt Straubing hat Garbe Industrial beispielsweise das derzeit in Europa größte Logistikzentrum in reiner Holzbauweise realisiert. Das komplette Tragwerk der Halle inkl. Stützen und Binder, die Mezzaninebenen und die Fassade bestehen aus dem nachwachsenden Rohstoff. Damit leisten moderne Logistikansiedlungen einen konkreten Beitrag zu den Nachhaltigkeitszielen vieler Kommunen.

Autor: Tobias Kassner, Head of Research & ESG bei Garbe Industrial

Weitere Informationen unter:
www.garbe-industrial.de
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