Die kommunale Infrastruktur ist der Schlüssel zur Transformation. Wieso Kommunen jetzt investieren sollten und wie ein neues Förderprogramm dabei unterstützt, erzählt Johanna Antonie Tjaden-Schulte, Mitglied des Vorstands bei der NRW.BANK.

Kommunal Direkt: Frau Tjaden-Schulte, viele Kommunen berichten derzeit von einem enormen Investitionsdruck. Wie stellt sich die Lage aus Ihrer Sicht dar?
Johanna Antonie Tjaden-Schulte: Die Kommunen stehen aktuell vor einer ganzen Reihe Herausforderungen. Infrastruktur, die teilweise seit Jahrzehnten genutzt wird, muss modernisiert werden – Straßen, Brücken Schulgebäude – die Liste ist lang. Gleichzeitig steigen die Erwartungen an Klimaschutz, Digitalisierung und leistungsfähige öffentliche Dienstleistungen. Das alles fällt in eine Zeit, in der Haushalte vieler Städte und Gemeinden stark belastet sind. Der Investitionsrückstand ist entsprechend groß: Laut KfW-Kommunalpanel liegt er inzwischen bei 215,7 Milliarden Euro – ein Anstieg von fast 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das zeigt, wie dringend gehandelt werden muss.
Kommunal Direkt: Neben klassischen Infrastrukturprojekten rückt zunehmend auch das Thema Sicherheit in den Fokus. Warum sollten Kommunen hier stärker investieren?
Tjaden-Schulte: Sicherheit und Resilienz gewinnen für Kommunen zunehmend an Bedeutung. Dazu zählen etwa ein leistungsfähiger Katastrophenschutz, moderne Ausstattung für Feuerwehr und Rettungsdienste sowie stabile Energie-, Wasser- und IT-Infrastrukturen. Gerade Cyberangriffe auf kommunale Einrichtungen zeigen, wie wichtig sichere digitale Systeme sind.
Kommunal Direkt: Welche Rolle spielen Infrastrukturinvestitionen für die Transformation der Wirtschaft?
Tjaden-Schulte: Eine sehr große. Ein Beispiel: Allein der Ausbau der Ladeinfrastruktur soll in Deutschland bis 2030 mehr als eine Million öffentliche Ladepunkte ermöglichen. Dieses Ziel ist Teil der Strategie der Bundesregierung, um Elektromobilität zu steigern und CO₂- Emissionen im Verkehrssektor zu reduzieren. Gleichzeitig schaffen solche Projekte neue Märkte für innovative Technologien.
Kommunal Direkt: Wie können Kommunen diese Investitionen finanziell stemmen?
Tjaden-Schulte: Entscheidend ist, dass Investitionen strategisch geplant werden. Kommunale Investitionen wirken weit über das einzelne Projekt hinaus. Studien zeigen, dass ein investierter Euro eine gesamtwirtschaftliche Wertschöpfung von rund 1,60 Euro erzeugt. Sie stärken regionale Wirtschaftskreisläufe, schaffen Beschäftigung und erhöhen die Lebensqualität vor Ort. Investitionen schaffen Zukunft. Deshalb verstehen wir uns als Förderbank nicht nur als Kreditgeber, sondern als strategischer Partner der Kommunen.
Kommunal Direkt: Mit NRW.BANK.Kommunal gibt es seit diesem Frühjahr ein neues Förderprogramm. Was ist das Ziel?
Tjaden-Schulte: Wir haben unsere bestehenden Angebote neu gebündelt und ein Programm geschaffen, das Investitionen besonders flexibel unterstützt. Besonders wichtig war uns dabei, Finanzierung stärker als Bestandteil einer integrierten Investitionsstrategie zu denken. Kommunen planen ihre Projekte heute häufig ganzheitlich – etwa, wenn bei einer Schulsanierung gleichzeitig Energieeffizienz, digitale Ausstattung und Barrierefreiheit umgesetzt werden.
Kommunal Direkt: Welche Bedeutung haben solche Investitionen für die Zukunft der Städte und Gemeinden?
Tjaden-Schulte: Die kommenden Jahre werden entscheidend sein. Die Infrastruktur in den Kommunen bildet die Grundlage für wirtschaftliche Entwicklung, soziale Stabilität und Klimaschutz. Wenn Kommunen Schulen modernisieren, Verkehrsnetze erneuern oder ihre Verwaltung digitalisieren, verbessern sie nicht nur die Lebensqualität vor Ort, sondern stärken auch die Zukunftsfähigkeit ihrer Regionen. Genau dabei möchten wir als Förderbank sie langfristig begleiten.
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