Vom Bayerischen Wald in die Welt: Das Familienunternehmen Köppl fertigt Einachs- Geräte und rund 90 verschiedene Anbaugeräte – Heuer 125-jähriges Bestehen – 2020 bisher erfolgreichstes Jahr

Wenn Karl Köppl jun. (52) durch die Produktionshallen seines Betriebes geht, spürt er eine große innere Freude. „Ich war schon als Bub dabei, hab‘ am eigenen Leib gespürt, wie alles groß geworden ist“, erzählt er, „da identifiziert man sich damit.“ Die Köppl GmbH in Entschenreuth bei Saldenburg (Landkreis- Freyung-Grafenau) stellt in eigener Fertigung handgeführte Einachs-Geräte und maßgeschneiderte Anbaugeräte wie Mähbalken, Schneefräsen und Kehrmaschinen her. Die Premium-Maschinen aus dem Bayerischen Wald sind bei Land- und Forstwirten, Kommunen, Bergbauern, Baumschulen wie auch im ökologischen Gemüseanbau und Garten- und Landschaftsbau auf der ganzen Welt gefragt. Heuer feiert das Familienunternehmen sein 125-jähriges Bestehen – wenn die Corona- Situation es erlaubt, mit einem Tag der offenen Tür und einem Festakt für die gut 80 Mitarbeiter, ehemalige Mitarbeiter, treue Wegbegleiter und Vertreter der Politik und Wirtschaft.

Den Grundstein legte Emil Köppl, der Urgroßvater von Karl Köppl jun., als er 1896 in die Dorfschmiede in Entschenreuth einheiratete und einen Großhandel für Sensen aufzog. 1933 übernahm Sohn Karl Köppl (geb. 1899) die Schmiede und erweiterte das Sortiment um Pflüge, Eggen, Motormäher und Traktoren. Als er nach langer Krankheit im Alter von 59 Jahren starb, führte sein Sohn, wieder ein Karl (geb. 1942), gerade mal 17 Jahre alt, den Betrieb weiter. 1960 fing er an, im großen Stil mit importierten Traktoren zu handeln. Später ließ er nach eigenen Konstruktionen Motormäher fertigen. Bis er bemerkte, dass der Fertigungsbetrieb die Köppl-Ideen auch anderen Kunden verkaufte.

1980 hat er genug von dieser Masche: Ab jetzt würde er sämtliche Geräte im eigenen Betrieb fertigen und nur noch unter dem Namen Köppl verkaufen. „Wie kannst du selber Getriebe bauen? Du bist doch kein Ingenieur!“, fragen ihn seine Frau Anneliese (geb. 1945), seine Kinder, Mitarbeiter und Freunde. Doch Köppl sen. eignet sich an, was er braucht. Für ein Problem die beste Lösung zu finden, reizt ihn ungemein. Er zeichnet eine Skizze, fängt zu Schweißen an und lernt so lange aus den Fehlern, bis er einen Prototyp hat. Aus Prinzip fertigen er und seine Mitarbeiter alle Grund- und Anbaugeräte komplett in eigener Fertigung – und treffen mit ihren maßgeschneiderten Motormähern und Spezialschleppern bald den Nerv der Bergbauern in der Schweiz, in Süddeutschland, Österreich, Slowenien und Südtirol. Auf den Fachmessen hagelt es Auszeichnungen. 1993 und 2003 wird die Köppl GmbH mit dem Bayerischen Staatspreis geehrt – für einen variabel oszillierenden Fahrantrieb bzw. einen ökonomisch ruhigen Balkenmäher mit gegenläufigen Obermessern. „Kapieren statt Kopieren“ und „Qualität statt Masse“ lauten die Devisen, nach denen Karl Köppl arbeitet und lebt.

Anneliese Köppl hat derweil die Finanzen im Blick und hält ihrem Mann den Rücken frei, wenn er auf Geschäftsreise ist. In den 90er Jahren steigt Sohn Karl Köppl jun. als Maschinenbaumeister ein. Der besonnene Industriemeister Günter Wolf, Ehemann von Tochter Birgit, wird eine wichtige Säule in der Produktion. Als die zwei Kinder des Paares selbständiger werden, bringt sich auch Birgit Wolf, gelernte Bankkauffrau und zuletzt Leiterin einer Bankfiliale, immer mehr ein. Die Entscheidungen trifft weiterhin Karl Köppl sen. Er steigert Umsatz und Mitarbeiterzahl, bildet mehr als 100 Lehrlinge aus, erweitert, modernisiert und rationalisiert die Produktionsstätte, baut den Vertrieb aus.

Im Jahr 2014 übergeben er und seine Frau Anneliese den Betrieb an Sohn Karl Köppl jun. und beteiligen auch Tochter Birgit. „Wir ergänzen uns gut. Jeder ist froh, dass er den anderen hat. Die Entscheidung unserer Eltern war richtig“, sagen die Geschwister unisono, „unser Senior hat sich alles zugetraut, er hatte immer Mut zur Veränderung. Unsere Mutter hat das Geld zusammengehalten und die Entwicklung umsichtig begleitet. Das wollen wir fortführen.“

Größer werden wollen die Köppls aber nicht mehr. Bei einer Mitarbeiterzahl unter 100 sei alles gut überschaubar, erklärt Birgit Wolf, die auf eine gut fließende Kommunikation zwischen den Mitarbeitern und mit den Kunden großen Wert legt. Aktuell stellt der Familienbetrieb 15 Grundgeräte und rund 90 verschiedenste Anbaugeräte her. Der Jahresumsatz ist seit 2014 von 6,5 Millionen Euro auf zuletzt 9,5 Millionen Euro gestiegen. Corona hat nicht geschadet, im Gegenteil: 2020 war das beste Jahr in der 125-jährigen Firmengeschichte. „Heuer wollen wir auf zehn Millionen kommen“, sagt Karl Köppl jun. Mit der großen Bandbreite an Produkten und Absatzländern sieht er den Betrieb bestens aufgestellt. Der Exportanteil macht 60 Prozent aus.

Die Hierarchien sind heute flacher als unter dem Senior. Seine Grundsätze aber gelten bis heute. Fleißig und strebsam sein. Nah am Kunden bleiben. Lieber kleine Stückzahlen und dafür sehr spezifische Geräte, die dem Nutzer dienen. Sich was trauen, antizyklisch investieren. Immer am Puls der Zeit sein. Wenn man mag, kann man alles.


Mähen und Mulchen, Heuen und Wenden, Bodenbearbeitung, Wildkrautentfernung, Winterdienst und noch vieles mehr: Von der leichten Einsteigermaschine bis zum Profi-Hydrostaten sind die Köppl Grund- und Anbaugeräte auf die unterschiedlichsten Anwendungen optimiert, und das immer am Zahn der Zeit. Speziell für die Anforderungen der Bergmechanisierung bauen die Köppl- Mitarbeiter Gefährte mit Hill Spikes für die Räder, das Self-Balance-System für automatisierte Schwerpunktverlagerung ermöglicht einfach Arbeiten in jedem Gelände. Eine Anwendung mit geringem Kraftaufwand werden durch die Turnaround-Aktivlenkung (einfach Wendung um 180°), Fernsteuerung oder auch das Freeride Bundle (Komfort- Kombination aus Trittbrett, 300 mm Achsverschiebung und verstellbarem Holm), welches speziell für das Modell GEKKO erhältlich ist, garantiert. Mit der leichten Bauweise ermöglichen die Geräte eine schonende Bearbeitung der Böden und tragen dem Streben nach Artenschutz Rechnung. Weitere Neuentwicklungen gibt es beim autonomen Fahren. Und in immer mehr Geräte werden Elektromotoren eingebaut. Im Herbst bringt Köppl ein kompaktes E-Drive-Profi-Gerät mit hydrostatischem Getriebe auf den Markt, die wichtigste Neuentwicklung im Jubiläumsjahr.

Weitere Informationen unter:
www.koeppl.com
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