Aushub bezeichnet Erdreich oder Ausbruch- Material, das bei Bauvorhaben durch das Ausheben von Baugruben entsteht. Jährlich fallen dabei unvorstellbar hohe Mengen an Aushubmaterialien an. Je nach Material kann dieser Aushub unterschiedlich verwendet werden. Ist er mit Schadstoffen, etwa Schwermetallen, kontaminiert, so muss er entweder aufwendig gereinigt oder aber in einer speziell abgedichteten Deponie entsorgt werden. Aufgrund der immer knapper werdenden Deponiekapazitäten in Deutschland, der hohen Anforderungen an die Regelungen der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Abfall (LAGA) sowie der vertraglich immer stärker geforderten Einhaltung des Kreislaufwirtschaftsgesetzes und der voraussichtlich bald in Kraft tretenden Mantelverordnung, rückt das Thema Bodenaufbereitung für viele Unternehmen aus der Branche immer mehr in den Fokus.

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Ein noch recht neues Produkt in diesem Segment ist der Flüssigboden. Hierunter versteht man zeitweise fließfähige, selbstverdichtende Verfüllbaustoffe (ZFSV) auf Basis von aufbereitetem Erdaushub, geprüften Recyclingbaustoffen oder natürlichen bzw. aufbereiteten Sand-Kies-Gemischen unter Zugabe definierter Additive und Wasser. Um diesen bisher noch nicht genormten Baustoff mit einer transparenten und zielgerichteten Qualitätssicherung am Markt zu platzieren, hat sich seit dem Jahre 2010 die Bundesqualitätsgemeinschaft Flüssigböden e. V. (BQF) das Ziel gesetzt, Richtlinien für diese Qualitätssicherung zu definieren und deren Umsetzung in der Praxis sicherzustellen.

Mitglieder der BQF sind Hersteller und Verarbeiter von Flüssigböden, Hersteller von Mischtechnologien für die Herstellung von Flüssigböden, Lieferanten von Bindemittelsystemen sowie Wissenschaftler und akkreditierte Prüfinstitute. Gemeinsames Ziel der Mitglieder der BQF sind transparente Qualitätsrichtlinien zur Sicherung der Qualität des Baustoffs Flüssigboden. Demnach kann jeder Hersteller von Flüssigböden, das Qualitätszeichen „Qualitätsgesicherter Flüssigboden“ erhalten, sofern er zuvor das Zertifizierungsprozedere der BQF durchlaufen hat. Es wird durch die ZertBAU GmbH als DAkkS-akkreditiertes Unternehmen kontrolliert und schließt die Qualitätssicherung vom Ausgangsstoff bis zum eingebauten Flüssigboden ein. Jüngste Erwerber dieses Qualitätszeichens sind die Unternehmen Erdbau Kuhn GmbH & Co. KG aus Kirchhardt sowie Clausing GmbH Tiefbau aus Osnabrück.

Seit mehr als 40 Jahren ist das Unternehmen Erdbau Kuhn im Großraum Heilbronn u.a. in den Bereichen Erdbau, Baustoffrecycling und Altlastensanierung tätig. Anfang 2019 entschied sich Geschäftsführer Uwe Kuhn zur Investition in eine mobile Dosieranlage zur Herstellung von Flüssigboden. „Auf vielen Baustellen reicht einfach der Platz nicht aus, um Aushub in größeren Mengen zu lagern“, erklärt Kuhn. „Deshalb haben wir jahrelang Erdreich von Baustellen wegtransportiert, an anderer Stelle zwischengelagert, später dort oder an anderer Stelle wieder eingebracht oder auf Deponien gefahren. Mit unserer neuen mobilen Dosieranlage sind wir in der Lage, den Aushub vor Ort als Flüssigboden aufzubereiten.

Das Material muss dann nicht mehr zwischengelagert oder auf eine Deponie gebracht werden, sondern wird an Ort und Stelle eingebaut.“ Ein weiterer Vorteil von Flüssigböden ergibt sich aus seinen Eigenschaften: Durch seine temporäre Fließfähigkeit und die hervorragende Selbstverdichtung bieten Flüssigböden eine wirtschaftliche und sichere Alternative zur konventionellen Ver- oder Hinterfüllung von Gruben, Gräben oder Schächten mit Füllboden. Hierzu Uwe Kuhn: „Das Material ist zudem setzungsfrei, denn es verdichtet im Gegenteil zu Schotter sehr kompakt. Deshalb kann ich mir beim Einsatz von Flüssigböden eine Nachverdichtung sparen. Gerade im Kanalbau bietet das einen großen Vorteil, da Rohre so nicht durch eine Verdichtung beschädigt werden. Der Einsatz von Flüssigböden bietet auch den Vorteil, dass Arbeitsräume viel kleiner ausfallen können als bei herkömmlicher Bauweise, denn der Platzbedarf für größeres Verdichtungsgerät ist nicht gegeben.“

BQF-Qualitätszeichen definiert Produktstandard

Mit dem Start der Produktion von Flüssigboden fiel auch die Entscheidung für eine Mitgliedschaft in der BQF. „Für eine erfolgreiche Vermarktung dieses noch recht neuen ungenormten Produktes war es für uns wichtig, einen Produktstandard zu definieren. Diesen erhalten wir durch das Qualitätszeichen, das wir im September 2019 durch die BQF verliehen bekommen haben. Geologe Daniel Zentler aus dem Hause Erdbau Kuhn erläutert das Zertifizierungsprozedere: „Zunächst muss gewährleistet sein, dass durch eine anerkannte Prüfstelle für jede Baustelle eine Eignungsprüfung des Bodens zur Herstellung von Flüssigboden erfolgt.

Grundlage für die Qualitätssicherung bei der Herstellung von Flüssigböden ist eine Werkseigene Produktionskontrolle (WPK). Rahmenbedingungen dafür gibt das Hinweisblatt H ZFSV der FGSV vor und sollten beispielsweise in einer Werksnorm nachvollziehbar und praktikabel festgelegt sowie innerhalb der Flüssigbodenherstellung konsequent umgesetzt und dokumentiert werden. Ebenso ist eine Fremdüberwachung vorgesehen. Diese erfolgt durch anerkannte RAP Stra Prüfstellen, die mit den Anforderungen an und den Prüfbedingungen für Flüssigböden vertraut sind. Im Rahmen der regelmäßigen Fremdüberwachung wird die WPK des Herstellers bewertet, sowie Proben aus der Flüssigbodenherstellung entnommen und geprüft. Bei auftretenden Abweichungen werden diese aufgezeigt, bewertet und ihre Abstellung kontrolliert. Schließlich wird die erfolgreiche Teilnahme an einem BQF- Fachkundelehrgang vorausgesetzt“, so Zentler.

Einsatz von regionalen Aushubböden spart endliche Ressourcen

Auch das Tiefbauunternehmen Clausing GmbH aus Osnabrück ist seit dem letzten Jahr in Besitz des BQF-Qualitätszeichens. Geschäftsführer Christian Staub zu seinen Beweggründen: „Aufgrund zunehmender Deponieverknappung werden die Wege, die wir Aushubboden transportieren müssen, immer weiter. Mit dem Einstieg in das Segment Flüssigboden Mitte 2018 wollten wir einen neuen Weg einschlagen, um künftig ressourcenschonender arbeiten zu können. Unsere Flüssigböden kommen in den Bereichen Kanal- und Rohrleitungsbau, Kabelbau, allgemeiner Tiefbau und bei der Immobilisierung von Schadstoffen zum Einsatz.

Nach langfristigen Sieb- und Aufbereitungsversuchen unter Begleitung eines Bodengutachters und einer ständigen Kontrolle der erzeugten Sieblinien und Bodenanalysen ergeben sich viele Möglichkeiten für die unterschiedlichen Anwendungsbereiche, abgestimmte und angepasste Flüssigbodenrezepturen zu erstellen. Damit können wir sehr individuell auf Kundenwünsche eingehen. Der Vorteil: Das Verfahren ermöglicht bei vielen Maßnahmen einen schnelleren Baufortschritt, körperliche Entlastung des Baupersonals, sowie eine Vermeidung von Staub-, Lärm- und Schadstoffemissionen. Der Knackpunkt besteht aber vor allem darin, dass im Sinne des Kreislaufwirtschaftsgesetzes endliche Ressourcen durch den Einsatz von regionalen Aushubböden und Recyclingbaustoffen gespart werden“, so Staub.

BQF-Qualitätszeichen unterstützt die Akzeptanz der Flüssigbodentechnologie

Welche Vorteile das BQF-Qualitätszeichen für das niedersächsische Unternehmen mit seinen ca. 100 Mitarbeitern bietet, schildert der stellvertretende Geschäftsführer Stephan Lemke: „Zum Einen hat das Qualitätszeichen eine wichtige Bedeutung, um in Ausschreibungen berücksichtigt zu werden. Neben der rechtlichen Rückendeckung, die es uns bietet, nutzen wir es natürlich auch als Werbeträger. Damit erleichtert es uns den Zugang zu Flüssigbodenaufträgen. Last but not least vereinfacht eine lückenlose Qualitätssicherung die Bearbeitung von Reklamationen“, so Lemke.

Der Geschäftsführer der BQF Sebastian Geruschka bemerkt abschließend: „Flüssigboden ist ein innovativer und nachhaltiger Baustoff mit noch viel Potential. In letzter Zeit kommen immer mehr Anbieter auf den Markt. Umso wichtiger ist daher ein Qualitätsstandard, den wir unseren Mitgliedern und damit auch den Bauherren mit dem BQF-Qualitätszeichen bieten. Das Interesse daran ist sehr hoch, denn es schafft Vertrauen bei Bauherren, Planern und Verarbeitern und unterstützt damit die Akzeptanz und Verbreitung der Flüssigbodentechnologie.“

Weitere Informationen unter:
www.bqf-fluessigboden.de
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