Zur Praxis der Vergabe und Bauausführung bietet die Gütegemeinschaft seit Jahren regelmäßige Erfahrungsaustausche an – einerseits als Diskussionsforen für die stetige Weiterentwicklung der Gütesicherung im Sinne der Mitglieder und andererseits als Plattform für den kontinuierlichen Austausch der Beteiligten zum Thema ,,Qualität und Qualifikation“. Schwerpunkt des Programms ist der Austausch von Erfahrungen zur fachgerechten Bauausführung und Fehlervermeidung. Die Inhalte der Veranstaltungsreihe werden im Zweijahresrhythmus überarbeitet.

Qualität ist planbar

Sinn und Zweck der Veranstaltungsreihe ist es, die Qualität der Ausführung von Kanalbauarbeiten zu verbessern und diesbezüglich Impulse an die auf Auftraggeber- und Auftragnehmerseite verantwortlichen Entscheider zu geben. „Wir möchten die Teilnehmer für alle Facetten des Kanalbaus sensibilisieren und sie informieren, von der Planung über die Ausschreibung bis hin zur Ausführung und Bauüberwachung“, erklärt Dipl.-Ing. Sven Fandrich, Leitung Außendienst, Gütegemeinschaft Kanalbau.

Qualität ist planbar lautet eine Botschaft der Veranstaltung und bildet gleichsam den roten Faden für die Inhalte. „Die Baupartner sollen ermutigt werden, nicht von ihren Qualitätszielen abzurücken“, formuliert Fandrich ein weiteres Anliegen der Gütegemeinschaft Kanalbau. „Um diese Ziele zu erreichen, lohnt es sich, mit den Kollegen aus der Branche im Gespräch zu bleiben – so zum Beispiel im Rahmen eines Erfahrungsaustausches.“

Live aus der Praxis

Die fachliche Kompetenz der Prüfingenieure und ihre aus der täglichen Baustellenpraxis gewonnenen Erfahrungen stellen dabei die Grundlage für die Veranstaltungsreihe dar. Neben Sven Fandrich zählt Dipl.-Ing. Hans-Willi Bienentreu, Prüfingenieur Gütegemeinschaft Kanalbau, zu den Referenten. Inhaltliche und fachliche Unterstützung kommt von Regierungsbaumeister Dipl.-Ing. Rüdiger Prestinari.

2019 und 2020 liegen die Schwerpunkte auf den Themen „das System Gütesicherung Kanalbau in der Praxis“, „die Qualifikation des Leitungspersonals auf Baustellen“ und „bewährte Beispiele aus der Kanalbaupraxis“. Beim letzten Punkt gehen die Referenten auf den Umgang mit Sicherheitstechnik auf Baustellen, die digitale Koordinierung von Leitungsarbeiten und Baukommunikation sowie den Einbau von Flüssigboden ein. Neu aufgenommen ins Programm wurden Filmsequenzen mit Interviews, die mit kommunalen Auftraggebern und Mitarbeitern von ausführenden Unternehmen zu den jeweiligen Themenbereichen geführt wurden. Sie stellen einen konkreten Praxisbezug her und schaffen eine Grundlage für den Austausch der Teilnehmer.

Los geht es mit einer Darstellung des Systems RAL-Gütesicherung Kanalbau, das in gleichem Maße auf Auftraggeber, Ingenieurbüros und ausführende Firmen ausgerichtet ist. Es basiert auf der Überzeugung, dass Qualität erst im Zusammenspiel aller Beteiligten einer Maßnahme wirksam gesichert wird. Über die Prüfung der Fachkunde von ausführenden Unternehmen und Ingenieurbüros hinaus bietet die Gütegemeinschaft Kanalbau ihren Mitgliedern Grundlagen und Angebote zur Qualifizierung an. Diese bestehen unter anderem aus Arbeitshilfen, Handbüchern, Regelwerkssammlungen, Infoschriften und spezifischen Leitfäden für die Eigenüberwachung. Sie können als Arbeitsgrundlage bzw. als Nachschlagewerk bei der täglichen Arbeit dienen.

Nach einem Vortrag über „Qualifikation des Fachpersonals/Technisch Verantwortlicher – Bauleiter“ geht Referent Sven Fandrich auf den Umgang mit Sicherheitstechnik auf der Baustelle ein. Hierbei handelt es sich um ein äußerst sensibles Thema, wie der erfahrene Ingenieur aus seiner täglichen Praxis und den vielen Baustellenbesuchen weiß: „Abweichende Vorgehensweisen oder Versäumnisse können nicht nur den einwandfreien Betrieb des Bauwerks und damit den Erfolg der Baumaßnahme beeinflussen“, so Fandrich, „sondern unter Umständen auch ein erhebliches Gefahrenpotenzial bergen.“

Die Zukunft wird digital

In diesem Punkt haben viele Teilnehmer bereits einschlägige Erfahrungen gemacht, die Beispiele werden in die Diskussion eingebracht. Neuland ist dagegen für viele noch die zunehmende Digitalisierung im Bauwesen. In Bezug auf den Bau und Betrieb von Rohrleitungen und Anlagen ist schon heute die umfassende Zustandsbewertung von Anlagen, Leitungen und Vermögenswerten auf der Basis belastbarer Daten Grundlage für die Entwicklung von Sanierungs- strategien und effektiven Investitionsmanagementsystemen.

Methoden wie das Building Information Modeling (BIM) machen Daten von der Planung über den Bau einer Anlage oder einer Leitung über den Betrieb und Umbau bis zum Abriss verfügbar und somit nutzbar. Dabei sind alle miteinander verbunden, jeder kann auf alle Daten zurückgreifen und es wird elektronisch miteinander kommuniziert.

Wie das sinnvoll bei der Koordinierung von Leitungs­arbeiten genutzt werden kann, stellt Regierungsbaumeister Prestinari vor. Heute gibt es Leitungsauskunftsportale, die Bauunternehmen, Planungs- und Architekturbüros, Leitungsnetzbetreibern, Behörden und privaten Bauherren eine einfache und schnelle Möglichkeit bieten, Leitungsauskünfte und Genehmigungen für ihre Baumaßnahmen bei Leitungsnetzbetreibern einzuholen und Meldungen zu versenden. „Damit können Netzbetreiber und Behörden wirtschaftlich und revisionssicher Leitungsauskünfte bzw. Genehmigungen erteilen“, erläutert Prestinari, der in den sich bietenden digitalen Möglichkeiten ein enormes Wertschöpfungspotenzial sieht.

Flüssigboden im Blick

Auch beim „Einbau von Flüssigboden“ handelt es sich nach wie vor um ein sensibles Thema. Gerade der Leitungstiefbau ist ein bevorzugter Anwendungsbereich für fließfähige, selbstverdichtende Verfüllmaterialien. Sie werden mittlerweile in einigen Kommunen bei der fachgerechten Verfüllung von Leitungsgräben bevorzugt eingesetzt. „Allerdings gibt es hierbei viele Randbedingungen zu beachten“, erläutert Prüfingenieur Bienen­treu.

„So müssen zum Beispiel die Rezepturen des eingesetzten Flüssigbodens auf die Situation vor Ort an der Einbaustelle angepasst werden.“ Weiterhin gilt es, die Auftriebssicherung zu beachten und sicherzustellen, dass alles nach dem Stand der Technik gehandhabt wird. Allerdings – auch hierauf weist Bienentreu hin – fehlt es nach wie vor an einer anerkannten Bemessungsrichtlinie. Das DWA-Arbeitsblatt A 127 „Statische Berechnung von Entwässerungsanlagen – Teil 10: Werkstoffkennwerte“ befindet sich noch in der Entwurfsphase.

Weitere Informationen unter:
www.kanalbau.com
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