Die SWO Netz GmbH, ein 100-prozentiges Tochterunternehmen der Stadtwerke Osnabrück und für die Planung, den Bau und den Betrieb der Infrastrukturnetze im Stadtgebiet zuständig, beabsichtigt die Sanierung des Schmutzwasserkanals in der Buersche Straße auf einer Länge von rund 490 Metern. Bei dem Schmutzwasserkanal handelt es sich um ein überhöhtes gemauertes Eiprofil mit den Abmessungen DN 600/1050, das sich im Stadtteil OS-Gartlage befindet und Anfang des letzten Jahrhunderts (1913/1914) gebaut wurde. Die Tiefenlage des Kanals beträgt bis zu 11 Meter. Er ist auch gleich der tiefstliegende Kanal in Osnabrück.

Eine Sanierung des Kanals ist erforderlich, da – als Hauptschadensbild – Undichtigkeiten vorhanden sind, die zu einem enormen Fremdwassereintrag führen. Die Ingenieurleistungen der Planung, Ausschreibung, Bauoberleitung und örtliche Bauüberwachung wurden an die LINDSCHULTE Ingenieurgesellschaft mbH aus Nordhorn vergeben. LINDSCHULTE besitzt u.a. das Gütezeichen ABS – Ausschreibung und Bauüberwachung bei der grabenlosen Sanierung von Abwasserleitungen und -kanälen aller Werkstoffe und Nennweiten mit den dazugehörigen Bauwerken – nach den Güte- und Prüfbestimmungen der Gütesicherung Kanalbau RAL-GZ 961. Es ist vorgesehen, den Schmutzwasserkanal mittels Renovierungsverfahren in seiner Gesamtheit in einen standsicheren und dichten Bau- und Betriebszustand zurückzuführen.

Um eine exakte Kalibrierung der Bauwerksabmessungen durchführen zu können, wurde der Kanal im August 2017 mittels eines mobilen Höchstdruck-Wasserstrahl-Roboters nach dem Drain-Jet Robotics®-Verfahren durch die MAUERSPECHT GmbH aus Coswig gereinigt, um die vorhandenen Inkrustationen und anhaftenden Stoffe zu entfernen.

MAUERSPECHT verfügt über deutsche und internationale Schutzrechte für das robotergeführte Höchstdruck-Wasserstrahlen im Kanal. Die Höchstdruck-Wasserstrahltechnik arbeitet roboterunterstützt, kameraüberwacht und mit je nach Bedürfnis einstellbarem Wasserdruck von 100 bis 1.200 bar (in Sonderfällen bis zu 2.500 bar) und anpassbarer Fahrgeschwindigkeit im Kanal. Die Robotertechnik kann ab DN 150 bis hin zu begehbaren Kanälen und Rohren eingesetzt werden. Zudem ist die Nutzung in allen bekannten Kanalprofilen sowie Sonderbauwerken realisierbar.

Das Verfahren ist äußerst materialschonend und minimiert dadurch Beschädigungen der Altrohrsubstanz. Die Höchstdruck-Wasserstrahlen beseitigen Schadensbilder wie Inkrustationen, Kalk- und Betonablagerungen, Wurzeleinwüchse, Fremdkörper aus Stahl und Stahlbeton und Ablagerungen von Bitumen und Fetten sowie fehlerhaften GFK-Inliner. Gerade bei ausgedehnten Schadenssituationen ist diese Technik in der Regel deutlich schneller und somit kostengünstiger als konventionelle Fräsroboter.

Die Abtragleistung des Höchstdruck-Wasserstrahl-Roboters wird von der Düsentechnik, dem Wasserdruck, dem Wasservolumenstrom, dem Anstellwinkel der Düse zur Rohrwandung, der Fahrgeschwindigkeit, der Fließrichtung im Kanal sowie dem abzutragenden Material bestimmt. Generell muss bei Abflusshindernissen ≥ 50% des Gesamtquerschnitts bis hin zum Vollverschluss gegen die Fließrichtung gearbeitet werden. Bei unter 50% kann in beide Richtungen gearbeitet werden. In der Regel wird ein externer Spülwagen zur Räumung des Fräsgutes benötigt. In der Buersche Straße wurde baubedingt sowohl in als auch gegen die Fließrichtung gearbeitet. Unter Kamerabeobachtung trägt der Höchstdruck-Wasserstrahl-Roboter abschnittsweise das Abflusshindernis ab. Der externe Spülkopf entfernt nach Absprache das gelöste Fräsgut von der Arbeitsstelle. Dieser Vorgang wird solange wiederholt, bis das Abflusshindernis beseitigt ist.

Die Versorgung des Höchstdruck-Wasserstrahl-Roboters erfolgt mit sauberem Wasser über ein Tankfahrzeug (wie hier in Osnabrück) oder über einen Hydranten. Vorhandenes Abwasser an der Schadstelle reduziert im Allgemeinen die Abtragleistung und ist nach Möglichkeit zu vermeiden.

Die „Drain-Jet“-Arbeiten liefen zwischen dem 7. und 11. August 2017 – knapp 125 Meter pro Tag. bzw. pro Nacht! Denn aufgrund des tagsüber sehr hohen Verkehrsaufkommens der Buersche Straße – einem „Zubringer“ von der A 33 zur Innenstadt – mussten die Arbeiten in Abstimmung mit der SWO Netz GmbH in Nachtschichten zwischen 20:00 und 5:30 Uhr durchgeführt werden. Dazu kam die hohe Abwassermenge von ca. 110 l/s, die sich in den Nachtstunden auf ca. 45 l/s wesentlich reduziert. Die anfallende Abwassermenge wurde mit drei externen Tankwagen und zwei eigenen Spülfahrzeugen abgesaugt und in einen unterliegenden Schacht wieder eingelassen.

Im Anschluss an die Höchstdruck-Reinigung konnte die Vermessung mit dem Deformations- und Kalibermessgerät DKM vorgenommen werden. Dabei wurde der vertikale und horizontale Bereich der Rohrleitung durch eine kontinuierliche Messung über den gesamten Haltungsabschnitt aufgenommen und in einem Messbericht festgehalten.

Auf Basis der vorgenommenen Kalibermessung und weiterer Fachgutachten wie einer Baugrunduntersuchung im Bereich der Leitungstrasse wird von LINDSCHULTE in Abstimmung mit der SWO Netz GmbH das technisch und wirtschaftlich sinnvollste Sanierungsverfahren ermittelt. Die Bauausführung der Sanierung ist für Mitte 2018 vorgesehen.

Der Einsatz der Firma Mauerspecht war nicht der Erste in Osnabrück. Bereits Anfang des Jahres wurde das Verfahren in der Pagenstecher Straße erfolgreich eingesetzt. Hier wurden ca. 1.500 m Eiprofil DN 800/1200 aus Mauerwerk von verfestigten Ablagerungen befreit, um den Schmutzwasserkanal auf die geplante Sanierung mittels Schlauchliner vorzubereiten. Die Arbeiten wurden in vier Tagen und sechs Nachtschichten ausgeführt. Das Mauerwerk wurde bei der Entfernung der Inkrustationen nicht beschädigt.

Weitere Informationen unter:
www.lindschulte.de
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