Gastbeitrag von Mirco Michalski, Chief Operating Officer (COO) von fair parken

Kommunen stehen vor der Herausforderung, Digitalisierung und Nachhaltigkeit gleichzeitig voranzubringen. Beide Entwicklungen sind miteinander verknüpft und prägen die Zukunft kommunaler Infrastrukturen. Die Frage lautet deshalb zunehmend: Wie lassen sich digitale Modernisierung und Klimaschutz sinnvoll verbinden? Ein Ansatz liegt im Parkraummanagement – einem Bereich, der im Alltag oft wenig Beachtung findet, aber einen messbaren Beitrag leisten kann.

Parkraummanagement wird zum Klimafaktor

In einer aktuellen Studie des Fraunhofer-Instituts UMSICHT wurde untersucht, wie sich unterschiedliche Parkraumbewirtschaftungssysteme auf CO₂-Emissionen auswirken – erstmals anhand eines direkten Vergleichs zwischen Schrankenlösungen und einem kamerabasierten FreeFlow-Konzept. Die Ergebnisse zeigen deutlich: Kamerabasierte Systeme reduzieren Emissionen im Vergleich zu Schrankenlösungen zwischen 30 und 60 Prozent.

Ein wesentlicher Emissionstreiber im Parkvorgang sind Rückstaus an Ein- und Ausfahrten, die bei Schrankenanlagen unvermeidbar entstehen. Genau hier setzt der größte Unterschied in der Klimabilanz an: Der kontinuierliche Verkehrsfluss ohne Schranke reduziert Abbrems- und Beschleunigungsvorgänge, Haltephasen und Stop-and-go-Situationen. Hinzu kommt ein deutlich geringerer Energiebedarf des Systems selbst, da der Betrieb ohne Schrankenmechanik auskommt.

Digitalisierung entlastet kommunale Prozesse

Die digitale Erfassung, Verwaltung und Steuerung des ruhenden Verkehrs führt auch organisatorisch zu Vorteilen. Abläufe wie die Vergabe von Parkberechtigungen, die Kontrolle von Stellflächen oder die Abrechnung können verschlankt werden. Das spart Zeit und schafft in Verwaltungen zusätzliche Handlungsspielräume.

Zudem ermöglichen anonymisierte Auswertungen ein datenbasiertes Verständnis der tatsächlichen Flächennutzung. Diese Daten können in Maßnahmen der Stadtentwicklung, Verkehrsplanung oder Klimaausrichtung einfließen – und unterstützen damit fundierte Entscheidungen.

Ein Baustein der kommunalen Verkehrswende

Digitale Parkraumbewirtschaftung ist kein Ersatz für umfassende Mobilitätsstrategien, aber ein pragmatischer Baustein innerhalb der kommunalen Verkehrswende. Sie ergänzt Maßnahmen wie den ÖPNV-Ausbau, Radverkehrsförderung oder Verkehrsberuhigung und ermöglicht, vorhandene Flächen effizienter zu nutzen.

Der Einstieg ist vergleichsweise einfach, da viele digitale Systeme ohne bauliche Schranken oder umfangreiche Infrastruktur auskommen. Für Kommunen sind solche niedrigschwelligen Hebel wertvoll – insbesondere dann, wenn sie sowohl ökologische als auch organisatorische Vorteile bieten.

Praxisperspektive aus unterschiedlichen Anwendungsfeldern

Erfahrungen aus Projekten wie der Blumeninsel Mainau oder den Standorten der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg verdeutlichen, dass digitale Parksysteme auch in anspruchsvollen Umgebungen funktionieren. Sie fügen sich in historisches Ambiente ein, ermöglichen mehrsprachige Beschilderung und bieten flexible Bezahloptionen für ein internationales Publikum.

Gerade für Kommunen bietet die Studie des Fraunhofer-Instituts UMSICHT eine belastbare Grundlage, um digitale Lösungen dort einzusetzen, wo sie gleichzeitig Effizienzgewinne und ökologische Wirkungen erzeugen – also genau das, was die Twin Transformation fordert.

Digitales Parkraummanagement eröffnet neue Möglichkeiten für zukünftige Verkehrssteuerung

Auch wenn digitale Parkraummanagementsysteme heute vor allem den Parkvorgang effizienter machen, zeigt die Fraunhofer-Studie, dass die dabei entstehenden Daten künftig eine wichtige Grundlage für weitergehende Anwendungen bilden können. Auslastungen, Aufenthaltsdauern und Bewegungsmuster liefern bereits jetzt Hinweise auf Nutzungsstrukturen und mögliche Engpässe.

Perspektivisch könnten diese Daten helfen, Verkehrsströme besser zu verstehen und kommunale Maßnahmen zur Reduktion von Parksuchverkehr zu unterstützen. So wird die Digitalisierung des Parkraums zu einem ersten pragmatischen Schritt hin zu Lösungen, die künftig auch die Verkehrsbelastung im Umfeld von Parkflächen gezielt adressieren – ein Beispiel dafür, wie digitale Modernisierung und ökologische Ziele im Sinne der Twin Transformation näher zusammenrücken.

Über den Autor

Mirco Michalski ist Chief Operating Officer (COO) der fair parken GmbH. Er verantwortet den operativen Betrieb von rund 2.700 Parkflächen in Deutschland und die Betreuung von etwa 800 Auftraggebern – darunter Kommunen, Kliniken, touristische Einrichtungen und die führenden Handelsunternehmen. Sein Schwerpunkt liegt auf der digitalen Weiterentwicklung und effizienten Steuerung unbeschrankter Parkraumkonzepte.

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