Abwasserschächte sind oft blinde Flecken im betrieblichen Risikomanagement. Schäden werden in der Praxis zwar regelmäßig festgestellt, dokumentiert und saniert. Doch nach Einschätzung des IKT – Instituts für Unterirdische Infrastruktur greift dieser Ansatz häufig zu kurz.
Im Podcast „Risikomanagement von Abwasserschächten“ fasst Prof. Dr.-Ing. Bert Bosseler, Wissenschaftlicher Leiter des IKT, die wesentlichen Erkenntnisse aus dem gleichnamigen IKT-Seminar zusammen. Rafael Sosa Solano leitet das Seminar und führt auch grundsätzlich in die Thematik des Risikomanagements ein. Weitere Beiträge kommen aus der IKT-Forschung sowie von Fachleuten des Wasserverbandes Eifel-Rur (WVER).
Schäden erkennen reicht nicht – Auswirkungen müssen ermittelt werden
Ein zentrales Ergebnis: Schäden an Abwasserschächten werden häufig korrekt identifiziert, jedoch nicht systematisch mit Blick auf mögliche Auswirkungen bewertet.
Priorisierung, Zieldefinition und strategische Einordnung hängen aber gerade von dieser Risikodimension ab, denn Risiko heißt Schadenswahrscheinlichkeit multipliziert mit den Auswirkungen.
„Das eigentliche Risiko ist damit nicht nur der Schaden selbst, sondern auch welche Konsequenzen sich mit Blick auf Mensch, Umwelt und Wirtschaft ergeben können. Das entscheidet über die Art und Weise, wie wir mit ihm umgehen“, betont Prof. Dr.-Ing. Bert Bosseler.
Dokumentation alleine reicht nicht
Risikomanagement bedeutet nach Einschätzung der Experten dabei nicht allein Dokumentation, sondern frühzeitige, strukturierte Entscheidungen:
Was ist kritisch? Was ist tolerierbar? Welche Maßnahme ist wann und warum erforderlich?
„Sonst sanieren wir technisch sauber, aber möglicherweise nach falschen Prioritäten“, warnt Rafael Sosa Solano.
Abwasserschächte sind eigenständige Ingenieurbauwerke
Ein weiterer Schwerpunkt des Podcasts ist die Rolle des Abwasserschachts als Bauwerk. Im betrieblichen Alltag werden Schächte häufig als untergeordnetes Element der Kanalisation betrachtet.
Tatsächlich handelt es sich jedoch um Ingenieurbauwerke mit eigenen statischen, hydraulischen und betrieblichen Anforderungen.
„Der Schacht ist kein Loch im Boden – er ist ein Bauwerk mit Verantwortung“, so Bosseler. Wer Abwasserschächte als eigenständige Bauwerke versteht, erkennt auch, warum Aspekte wie Inspektionsintervalle, Materialwiderstand, Anschlüsse, Verkehrsbelastungen und Arbeitssicherheit keine Nebenthemen sind, sondern integrale Bestandteile eines wirksamen Risikomanagements.
Podcast liefert Denkmodelle statt Checklisten
Das im Podcast dargestellte Seminar „Risikomanagement von Abwasserschächten“ versteht sich bewusst nicht als technische Anleitung oder Checklisten-Vorlesung.
Vielmehr vermittelt es Denkmodelle, Prozesse und Strukturen, die Betreiber gerade mit Blick auf Abwasserschächte unterstützen, den eigenen Umgang mit Schäden, Sanierungen und Entscheidungen kritisch zu hinterfragen.
Podcast-Folge anhören:
https://www.podcast.de/episode/699027955/bn18-risikomanagement-von-abwasserschaechten-bosselers-notizen-vom-270126-zum-ikt-seminar
Fazit: Abwasserschächte als blinder Fleck im Risikomanagement
Die zentrale Erkenntnis: Schäden an Abwasserschächten sind kein Ausnahmefall, sondern Normalität. Das eigentliche Risiko liegt in fehlender Struktur und Klarheit im Umgang mit diesen Schäden und deren möglichen Auswirkungen.
Technisch saubere Sanierung ersetzt keine strategische Entscheidung. Qualität und Sicherheit entstehen vor der Ausführung und durch das Setzen der richtigen Prioritäten.
Risikomanagement im Kanalbetrieb bedeutet daher: verstehen, bewerten, priorisieren und Risiken minimieren.
Weiterbildung: Vom Risikobewusstsein zur Handlungskompetenz
Die im Podcast dargestellten Herausforderungen zeigen deutlich, dass der Umgang mit Abwasserschächten fundiertes Fachwissen und klare Prozesse erfordert.
Das IKT bietet hierzu den Zertifikats-Lehrgang „Schachtsanierungs-Berater“ an. Der mehrtägige Präsenzlehrgang richtet sich an Fachleute, die Schachtsanierungen fachlich bewerten, begleiten oder steuern und ihre Kompetenz durch eine IKT-Zertifizierung nachweisen möchten.
Termine 2026 | IKT Gelsenkirchen
21.–23. April 2026
13.–15. Oktober 2026 (optional mit Prüfung)
www.ikt.de




