Mit Hilfe des QualitätsVerbunds Planer am Bau und Studierenden der Hochschule Karlsruhe ist dies an nur einem Wochenende möglich.

Viele Bauplanungsbüros stehen vor der für sie scheinbar unlösbaren Aufgabe, sich während des laufenden Büroalltags nebenbei auch noch um den Aufbau und die Einführung eines Systems zur Qualitätssicherung zu kümmern.

Priorität hat der Bauherr

Ein Handbuch für Qualitätsmanagement zu erstellen, gestaltet sich während des laufenden Tagesgeschäfts schwierig. Schließlich haben Bauherren und die damit verbundenen Aufträge Priorität. Dennoch: „Ich kann jedem nur empfehlen, sich ein Wochenende lang intensiv mit QM auseinanderzusetzen, anstatt es ewig vor sich her zu schieben und immer nur ein bisschen zu machen“, sagt Dipl.-Ing. Architekt Alexander Benthaus, geschäftsführender Gesellschafter bei Benthaus Architekten in Lünen.

Deswegen besteht die Idee des QualitätsVerbunds Planer am Bau (PaB) darin, den Planer:innen so etwas während eines Klausurwochenendes zu ermöglichen. Damit diese sich voll und ganz auf die Inhalte ihres Qualitätsmanagementsystems konzentrieren können, unterstützen Studierende die verschiedenen Ingenieurbüros durch ihre Ideen, ein strukturiertes Zeitmanagement und bei der Dokumentation. Somit ergibt sich eine sehr intensive, projektbezogene Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Studierenden der Hochschule. Die Teams aus Praktikern und Studierenden werden an den drei Tagen sehr eng durch das Team von PaB begleitet und kontinuierlich beraten.

Seit vielen Jahren verfolgt der QualitätsVerbund Planer am Bau in Zusammenarbeit mit der Hochschule Karlsruhe für Technik und Wirtschaft dieses Konzept und entwickelte die inzwischen etablierte und erfolgreiche Kooperation stets weiter: Bereits über zweihundert Architektur- und Ingenieurbüros bundesweit hat PaB so zu einem effizienten und individuell auf das Büro zugeschnittenen Qualitätsmanagementsystem (QMS) verholfen. Die meisten Büros sind sogar noch einen Schritt weiter gegangen und haben ihr QMS vom TÜV zertifizieren lassen.

Vorbereitungen zahlen sich aus

Damit Studierende sowie die Teilnehmer der Büros von Anfang an zielorientiert zusammenarbeiten können, werden sie im laufenden Semester in der Vorlesung „Qualitätsmanagement“ sowie der Lehrveranstaltung „QM-Systeme/Management-Systeme“ von Prof. Dr. Hermann Hütter aus der Hochschule Karlsruhe intensiv mit dem QualitätsStandard von Planer am Bau vertraut gemacht. Hütter ist als studierter Bauingenieur Fachmann auf seinem Gebiet. Beim marktführenden Unternehmen für Projektmanagement und bautechnische Beratung in Deutschland, Drees & Sommer, führte er intern das Qualitätsmanagement ein. Dieses Wissen gibt er nun an Studierende weiter, weshalb ihnen mit Anreise zum Klausurwochenende der Aufbau und die Struktur des QualitätsStandards bestens bekannt sind. Sie kennen die von Planer am Bau entwickelte Checklisten, sind mit der Denk- und Arbeitsweise des QualitätsStandards vertraut und können dadurch ab der ersten Minute den Büros sinnvolle Fragen stellen oder Impulse geben, die den Aufbau des QM-Handbuchs wertvoll unterstützen.

Arbeitsatmosphäre auf Augenhöhe

ECOPLAN war im Januar 2019 Teilnehmer des Klausurwochenendes im hessischen Gladenbach. Vier Mitarbeiter des Berliner Ingenieurbüros tüftelten gemeinsam mit vier Studierenden an zwei Tagen bis spät in die Abendstunden an den Inhalten des QM-Handbuchs. Neben ECOPLAN trafen sich elf weitere Büros und insgesamt 77 Studierende im dortigen Bildungszentrum. Spannend war der Moment des Kennenlernens. Passt die Chemie? Gelingt die spontane Zusammenarbeit von Praktikern und Studierenden, die sich zuvor noch nie gesehen haben?

„Schon nach einer kurzen Kennenlernphase konnten wir mit den Studierenden eine Struktur schaffen, in der wir äußerst effektiv arbeiten konnten“, hebt Christoph Mojen, Geschäftsführer der ECOPLAN GmbH Planungsbüro & Beratende Ingenieure in Berlin hervor. Die Studierenden hatten sich vorab bereits mit dem Büro auseinandergesetzt und wussten im Wesentlichen, welche Leistungen das Büro anbietet, wo es tätig ist und wie viele Mitarbeiter beschäftigt sind. Das hat den Einarbeitungsprozess enorm erleichtert.

Positive Rückmeldungen

„Mein Ziel war es, Qualitätsmanagement an einem Wochenende fokussiert durchzuarbeiten. Dafür habe ich hier die perfekten Rahmenbedingungen gefunden. Jetzt fahre ich mit neuer Energie und Motivation nach Hause“, berichtet Benthaus. Entsprechend positive Rückmeldun­gen erhielten auch Prof. Dr. Thomas Benz, Dr.-Ing. Knut Marhold und Dr.-Ing. Dipl.-Wirtsch.-Ing. E. Rüdiger Weng von Planer am Bau.

„Ich habe sehr viel über unterschiedliche Strukturen und Organisationsformen, Denk- und Vorgehensweisen in Unternehmen gelernt. Auch zum Thema Führungsstile konnte ich einiges mitnehmen“, fasst Student Richard Dittrich seine Erfahrungen zusammen.

„Anfangs sind viele noch skeptisch, ob Studierende beim Vorhaben wirklich helfen können. Diese Skepsis ist jedoch meist schnell verflogen und beide Seiten genießen das schnelle Vorankommen in einer gelösten Atmosphäre“, resümiert Marhold. „Im Laufe der Zusammenarbeit wird schnell die gemeinsame Aufgabe in den Mittelpunkt gestellt und am Ende der drei Tage sind Studierende und Praktiker gegenseitig beindruckt“.

Auch künftig soll an dem Konzept festgehalten werden. „Nicht nur die Unternehmen profitieren von dieser Zusammenarbeit. Es ist zudem eine gute Möglichkeit, um Studierende auf ihrem Weg in das Berufsleben zu unterstützen“, meint der Initiator abschließend.

Weitere Informationen unter:
planer-am-bau.de/qm-klausurwochenenden
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