4. Deutscher Reparaturtag in Troisdorf

Gelungener Mix aus Theorie und Praxis

Am 11. Juni 2015 hat in der Stadthalle in Troisdorf der Deutsche Reparaturtag stattgefunden. Das Vortragsprogramm der vom Verband Zertifizierter Sanierungsberater für Entwässerungssysteme e. V. (VSB) und der Technischen Akademie Hannover e. V. (TAH) organisierten Veranstaltung spannte einen breiten Bogen von „Entwicklung und Vorgehensweise“ über „Bauteile und Verfahren“ bis hin zu „Planung, Ausschreibung und Ausführung“. Die vierte Auflage des Deutschen Reparaturtages wartete aber nicht nur mit aktuellen Informationen über den neuesten Stand der Reparaturtechnik auf, sondern auch mit einer Neuerung im Ablauf: Neben der traditionellen Fachausstellung mit Ständen von Herstellern, Anwendern und Verbänden konnten die Besucher des Reparaturtages erstmals auch Praxisvorführungen mit Erläuterungen zur Anwendung unterschiedlicher Reparaturverfahren hautnah erleben. Und das kam an: Dank der gelungenen Mischung aus theo­retischer Inhaltsvermittlung und praktischer Vorführung präsentierte sich der Deutsche Reparaturtag in diesem Jahr lebendiger und facettenreicher denn je.

Geballtes Know-how aus der Praxis

Um „Bauteile und Verfahren“ ging es in Block II, in dem Dipl.-Ing. Caroline Körner von den Stadtentwässerungsbetrieben Köln über ihre Erfahrungen im Umgang mit der Robotertechnik sowie deren Grenzen berichtete.

Ihr Fazit: „Die Vielzahl der im Markt vorhandenen Geräte und Materialien ist für den Auftraggeber schwer zu überblicken. Mit dem DWA-Merkblatt, der VSB-Empfehlung sowie mit der hauseigenen ZTV-RR K stehen uns aber Hilfsmittel zur Verfügung, die, bei richtiger Anwendung, eine qualitativ hochwertige Arbeit der beauftragten Unternehmen ermöglichen.“ Das sehr gute Sanierungsergebnisse möglich sind, machte auch Dipl.-Ing. (FH) Serdar Uluta, MBA, Leiter Warentest beim Gelsenkirchener Institut für Unter­irdische Infrastruktur (IKT), deutlich. Er präsen­tierte Ergebnisse eines im eigenen Hause entwickelten Warentests zum Thema Schachtsanierung, den das Institut derzeit durchführt.

Auswahl der geeigneten Technik entscheidend

Sollte man Mauerwerkkanäle nur ausbessern oder doch sanieren? Dieser Frage ging ­Dipl.-Ing. Roland Baum vom Stadtentwässerungsbetrieb Düsseldorf nach. Der langfristige Substanzerhalt der Schlagadern großer Netze und insbesondere der gemauerten Profile sei, so Baum, jedenfalls von großer Bedeutung. Mit Blick auf eine Länge von 160 km in Düsseldorf wirtschaftlich sinnvoll sei nur eine ganzheitliche Betrachtung der Sanierungsabschnitte, zu der auch die Verknüpfung unterschiedlicher Sanierungstechniken zähle.

Über die Auswahl der geeigneten Technik, materialbedingte Ausschlüsse und Einsatzgrenzen bei der Reparatur von Kunststoffleitungen und -schächten referierte ­Dipl.-Ing. Andreas Haacker, Siebert + Knipschild GmbH, Oststeinbek. Haacker machte deutlich, dass der Erfolg einer Reparatur wesentlich von der fachgerechten Ausführung abhängt. Dazu gehöre auch, grundsätzlich zu beachten, dass man es bei Kunststoff mit einem relativ dünnwandigen Werkstoff zu tun habe. Ursache für mangelhafte Ergebnisse sei oft eine nicht haftende Verklebung sowie eine nicht fachgerechte Ausführung der Arbeiten. „Das Material des schadhaften Systems und die Ursache der Beschädigung bestimmen die Wahl des Verfahrens“, so Haackers Fazit.

Gelungene Premiere

Im Anschluss an die Mittagspause folgte dann die Premiere: Die erstmals ins Programm aufgenommenen Vorführungen, die aufgrund der hohen Teilnehmerzahl in zwei Durchgängen präsentiert wurden, boten geballtes Know-how mit hohem Praxisbezug. Die Kombination aus theoretischem Vortrag und anschließender Umsetzung des Gehörten in der Praxis kam bei den Besuchern des Reparaturtags jedenfalls gut an. Dementsprechend stolz war Mitveranstalter Hippe auf die enge Verzahnung der verschiedenen Programmbestandteile: „Es gibt genug Veranstaltungen, bei denen Vorträge und Vorführungen nichts miteinander zu tun haben – bei uns ist das anders, denn die in Block II behandelten Themen finden sich unmittelbar im Anschluss auch in Praxisblock III ­wieder“, erläuterte Hippe das Konzept.

Gleichzeitig betonte er noch einmal, dass Programmpunkte wie diese ohne das Engagement der beteiligten Firmen nicht möglich seien. In Troisdorf präsentierte die Fleer-Tech GmbH ihr KS-ASS-Verfahren für die Schachtbeschichtung und unter dem Motto „Sanierungstechnik zum Anfassen“ nahm die IBAK Helmut Hunger GmbH & Co. KG Fräsarbeiten am Kanalrohr vor. Und während es bei der Kuchem GmbH um „KaTe Sanierung, Kurzliner, Handlaminat Inliner/Schacht-Stutzen“ ging, demonstrierte die KATEC Kanaltechnik Müller & Wahl GmbH das Fräsen und Spachteln von Zuläufen und Rissen am Ausstellungsrohr. Darüber hinaus zeigte die RELINEROBOTICS GmbH einen elektrischen Fräsroboter im Betrieb, bei der Vorführung der Umwelttechnik Franz Janßen GmbH standen die Injektionsverfahren Janssen Process und Janssen Light im Blickpunkt.

Wichtige Aspekte beleuchtet

In seinem Schlusswort fasste Michael Hippe wesentliche Erkenntnisse der facettenreichen Veranstaltung zusammen und stellte fest, dass insbesondere der neue Programmpunkt „Praktische Vorführungen“ den Nerv der Anwesenden getroffen habe. Zufrieden zeigte sich der Vorstandsvorsitzende des VSB mit der für ihn gelungenen Mischung aus Praxis und Theorie. Die Vorträge hätten gezeigt, wie schwierig die Beurteilung des Einzelfalles und des jeweils geeigneten Verfahrens sei: „Wo kann ich eine Sanierungsstelle von innen entsprechend beheben, wo muss ich aufmachen – diese Frage stellen wir uns täglich, und wenn man drei Bearbeiter fragt, bekommt man gegebenenfalls auch drei Antworten.“

Darüber hinaus habe der Tag deutlich gemacht, dass sich die Grenzen zwischen Reparatur und Renovierung teilweise verwischen. Entscheidend sei das Einbringen von Qualitätsaspekten in die Ausschreibung, um letztlich auch einen gewissen Handlungsspielraum zu haben. Zum Thema Bauüberwachung – „einem nach wie vor ungeliebten Kind“ – sei anzumerken, dass man „von vorn herein das richtige Verfahren wählen, vernünftig ausschreiben, eine vernünftige Firma beauftragen und die auch entsprechend überwachen“ müsse. Nur so ließen sich Reparaturergebnisse erzielen, die, wenn auch nur für einen begrenzten Zeitraum, tatsächlich die erforderliche Sicherheit böten. „Es rächt sich irgendwann, wenn man an der falschen Stelle spart“, so Hippe.

Weitere Informationen unter:
www.reparaturtag.de
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