In der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft gewinnt das Contracting als Vertragsform für das Erbringen von Energiedienstleistungen zunehmend an Bedeutung. Vor dem Hintergrund steigender Energiepreise, der aktuellen Klimaschutzdebatte und des in diesem Zusammenhang ab diesem Jahr vorgeschriebenen Energieausweises für Wohn- und Gewerbegebäude bietet Contracting viele Einsparmöglichkeiten zur Umsetzung von Effizienzverbesserungen in Energieerzeugungs- und -nutzungsanlagen.
Der Vorteil bei der Nutzung von Contracting-Angeboten ist, dass Contracting-Anbieter auf die speziellen Anforderungen des Kunden und deren finanzielle Situation eingehen, so dass dieser sich beispielsweise wieder auf die eigenen Kernkompetenzen konzentrieren kann. Stadtwerke und Energieversorgungsunternehmen können sich durch das Anbieten von Contracting-Leistungen aktiv im Markt positionieren und diese Form der Energiedienstleistung als Kundenbindungsmaßnahme nutzen. Der weiteren Marktentwicklung stehen aber nach wie vor rechtliche Hindernisse im Weg. Insbesondere das bestehende Mietrecht hindert die Wohnungs- und Immobiliengesellschaften noch oft daran, die Leistungen eines Contractors zu nutzen.
Die zweite Auflage der Studie „Contracting in der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft“ des Trend- und Marktforschungsinstituts trend:research nimmt das Thema Contracting auf und beantwortet viele Fragen, die im Zusammenhang mit der aktuellen und zukünftigen Entwicklung des Marktes zu stellen sind, so zum Beispiel: Welcher Fortschritt ist im Markt für Contracting in Bezug auf Bekanntheit und Durchdringung zu verzeichnen? Welche Anforderungen stellen die Zielkundengruppen an die Dienstleistung und die Anbieter von Contracting?
Die Studie knüpft an die erste Auflage von 2004 an und vergleicht die Ergebnisse miteinander. Neben differenzierten Aussagen über die Ausgangssituation und Anwenderanforderungen der Unternehmen in der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft erfolgt insbesondere eine detaillierte Analyse des Marktes. Auf der Basis einer Befragung von rund 100 Branchenvertretern und einer transparenten Analyse der erwarteten Entwicklungen in diesem Contracting-Teilmarkt werden strategische und operative Entscheidungen unterstützt und Empfehlungen zum Auf- beziehungsweise Ausbau der eigenen Marktposition gegeben.
Steigender Anteil bei der Anwendung von Contracting
Contracting und die damit zusammenhängenden Leistungen sind sowohl den befragten Unternehmen aus der Wohnungs- als auch der Immobilienwirtschaft weitgehend bekannt. Im Vergleich zur Vorgängerstudie hat sich die Bekanntheit leicht gesteigert. Knapp 30 Prozent der Unternehmen wenden derzeit Contracting an. Damit hat sich der Anteil der Contracting-Anwender gegenüber 2004 um 10 Prozent gesteigert.
Bei den befragten Unternehmen, die zusätzlich zum Bereich der Wohnimmobilien auch Gewerbeimmobilien unterhalten, ist die Anwendung von Contracting etwas verbreiteter. Die Ursache dafür ist in den Umlageschwierigkeiten der Kosten zu vermuten, die aufgrund der in der Regel zahlenmäßig größeren Anzahl von Mietern oder Eigentümern pro Objekt im Bereich des privaten Wohnraums gehäufter auftreten.
Die am häufigsten angewendete Form des Contracting ist Energieliefer-Contracting, welches von 90 Prozent der befragten Marktteilnehmer genannt wird. Mit großem Abstand folgen technisches Anlagenmanagement, Finanzierungs-Contracting und Einspar-Contracting. In Bezug auf die Anwendungsform ergeben sich gegenüber der ersten Auflage der Studie keine signifikanten Unterschiede.
Hohe Anforderungen an die angewandte Technologie
Zu beobachten ist, dass die Anforderungen an die angewandte Technologie von den befragten Wohnungs- und Immobilienunternehmen im Vergleich zu 2004 konkreter geworden sind und deutlicher formuliert wurden. Über die Hälfte der befragten Wohnungsunternehmen nennt Energieeffizienz als wesentliche Anforderung an die angewandte Technologie beim Betrieb ihrer energietechnischen Anlagen. Der Faktor Energieeffizienz wurde von den Befragten auch schon in der Vorgängerstudie als wichtigster Punkt genannt. Neu dagegen sind die genannten Anforderungen Wirtschaftlichkeit (38 Prozent), ein reibungsloser und bedienerfreundlicher Anlagenbetrieb (29 Prozent) und der Aspekt der Umweltschonung (6 Prozent). Die Veränderungen hinsichtlich der gestellten Anforderungen könnten der Ausdruck einer verstärkten Auseinandersetzung mit dem Thema Contracting sein.
Im Zusammenhang mit der Frage nach den Anforderungen an die angewandten Technologien wurden die Unternehmen auch nach dem aktuellen und zukünftigen Einsatz besonderer Anlagentypen, wie etwa thermische Solaranlagen, Photovoltaikanlagen oder Brennstoffzellen, gefragt. Hier ist insbesondere der vermehrte Einsatz von Solarenergieanlagen erkennbar, sowohl Photovoltaikanlagen als auch thermische Solaranlagen zur Wärmeerzeugung.
Diese Ergebnisse sind auch das Resultat einer insgesamt gestiegenen Bedeutung erneuerbarer Energien unter den Befragten im Vergleich zu 2004 und spiegeln sich auch in den an die angewandte Technologie gestellten Anforderungen wider.
Steigerung des Marktvolumens bis 2015
Der Gesamtmarkt für Energiedienstleistungen inklusive Contracting ist nach wie vor sehr heterogen strukturiert. Aktuell gibt es deutschlandweit rund 300 in Verbänden organisierte oder überregional operierende Contracting-Anbieter im Markt. Zusätzlich gibt es mehr als 200 weitere lokal/regional operierende Unternehmen wie Stadtwerke, Energieagenturen und Anlagenhersteller beziehungsweise -lieferanten. Insbesondere Unternehmen, die Contracting noch eher als opportunistisches Geschäft betreiben, beschränken sich in der Regel auf kleinere regionale, zum Teil sogar nur lokale, Absatzgebiete. Im von trend:research erstellten Referenzszenario erreicht das Contracting in der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft im Jahr 2015 einen Gesamtumsatz in Höhe von rund einer Milliarde Euro .
Von den im Rahmen der Studie befragten Marktteilnehmern wird das Modell Contracting zunehmend als ernsthafte Alternative erwogen. Dies zeigt auch die Tatsache, dass der Anteil von Contracting-Nehmern unter den befragten Wohnungs- und Immobilienunternehmen um 10 Prozent gestiegen ist. Die Befragten achten zunehmend auf eine nachweisbare Kompetenz eines möglichen Contracting-Anbieters. Dabei werden neben den (energie-)technischen Anforderungen auch die betriebswirtschaftlichen Aspekte und die Praxistauglichkeit bewertet. Insbesondere die erneuerbaren Energien kommen verstärkt zum Einsatz.
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