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Wasser & Abwasser

Statisches Berstlining GRUNDOBURST Stadt Hameln erneuert 850m AW-Kanal

Fotovon, Dipl.-Ing. Jörg Sommer, Schmallenberg

Immer mehr gewinnt das statische Berstlining-Verfahren nun auch im Freispiegelbereich an Bedeutung. Dort, wo eine Querschnittsvergrößerung oder zumindest die gleiche Nennweite nach einer grabenlosen Erneuerung gefragt ist, wird man nicht mehr an dieser Technik vorbeikommen. Dabei kann das statische Berstlining-Verfahren zum Relining mit Auskalibrierung des Altrohres und einer minimalen Reduzierung (neu!) des Querschnitts genutzt werden!

Auf einer Länge von insgesamt ca. 850 m war der in den 60er Jahren verlegte Schmutzwassersammler DN 200 (Steinzeug) im Ortsteil Afferde stark in Mitleidenschaft gezogen und wies neben einer hydraulischen Überlastung auch die üblichen Schäden wie, undichte Muffen, Scherben- und Rissbildung etc., auf. Es war also dringender Handlungsbedarf geboten, da die Gefahr bestand, dass hohe Abwassermengen unkontrolliert in das umgebende Erdreich versickern. Die Stadt Hameln plante die Neuverlegung eines PE-HD-Rohres Da 355 x 21,3 mm .

Nun liegt der beschriebene Kanal im Bereich der vielbefahrenen Bundesstraße 1. Aufgrund der hohen Verkehrsdichte mit über 20.000 Kraftfahrzeugen täglich, suchten die verantwortlichen Planer des städtischen Tiefbauamtes nach einem geeignetem Verfahren in geschlossener Bauweise. Im gesteuerten Horizontalspülbohrverfahren sollte parallel zum alten Sammler im gegenüberliegenden Fahrstreifen eine neue Trasse gebohrt und der alte Kanal anschließend stillgelegt und verfüllt werden. Dementsprechend wurde die Maßnahme ausgeschrieben.

Das Horizontalspülbohrverfahren, bei dem über eine Pilotbohrung je nach Maschinenleistung Rohre bis zu einem Nenndurchmesser von DN 600 mm und größer eingezogen werden können, eignet sich nicht nur zur grabenlosen Verlegung von Strom-, Wasser- und Gasleitungen sondern auch zur Verlegung von Freispiegelkanälen, was jedoch ein hohes Maß an Erfahrung und Genauigkeit erfordert.

Entsprechend hoch ist der Zeitaufwand. Da im vorliegenden Fall jedoch eine alte nutzbare Rohrtrasse vorhanden ist, erkannte die Firma Friedrich Meier aus Hessisch-Oldendorf ihre Chance und bot in einem Nebenangebot die Erneuerung der Strecke mittels statischem Berstlining-Verfahren an. Dieses Verfahren ist gekennzeichnet durch eine hydraulisch betriebene und in einer minimalen Grube stationär aufgebauten Lafette, die ein leiterartiges und einklinkbares Gestänge mit der Bezeichnung "QuickLock" (System TRACTO-TECHNIK) leicht und schnell in die Altleitung einschiebt. Im Zielbereich (Schacht/ Einziehgrube) angekommen, wird an dieses Gestänge ein Berst- bzw. Aufweitungskonus angehangen. Beim Rückzug sorgt dieser bei spröden Materialien für das Bersten und Verdrängen des Altrohrmaterials in das umgebene Erdreich. Gleichzeitig wird ein neues Vollwandrohr als Lang- oder als Kurzrohr mit gleichem oder bis zu 2 Nennweiten größeren Querschnitt eingezogen.

Die "grabenlose Erneuerung in gleicher Trasse" nach dem Berstliningverfahren bot sich hier besonders mit folgenden Vorteilen an:
- keine Überwachung des Gefälleverlaufs, das Neurohr folgt dem alten Gefälle
- keine Verfüllung der alten Rohrtrasse notwendig
- Erneuerung in gleicher Trasse
- keine Umbindung der vorhandenen Hausanschlüsse,
die zusätzlich an die neue Trasse herangeführt werden müssten
- keine Einmessung der neuen Trasse
- keine Vorreinigung des Kanals
- hohe Tagesleistungen mit verkürzten Bauzeiten

Nach einer Ortsbesichtigung und genauer Kalkulation konnte über das Nebenangebot die Firma Meier Tiefbauunternehmen GmbH die Submission für sich entscheiden. Mitte April diesen Jahres begann man mit den Einrichtungsarbeiten an der Baustelle. Ortsbedingt waren Streckenlängen bis zu 130 m Länge möglich, wobei überwiegend Langrohre eingezogen wurden.
Eingesetzt wurde der GRUNDOBURST 800 G mit 800 kN (80 t) Zugkraft. Für den Rohreinzug auf den genannten 130 m wurde mit einem Kraftaufwand bis zu 480 kN (48 t) gearbeitet. Der Hauptanteil der zu leistenden Arbeit ist dabei für das Aufbersten bzw. für das Formen des Bohrkanals gebraucht worden. Immerhin musste der Verdrängungskörper, sprich der Aufweitkopf, der die Altrohrscherben radial ins Erdreich drückt, gut 910 cm2 Fläche radial verdrängen, um den Bohrkanal zu formen.

Besonders vorteilhaft war, dass das um 2 Nennweiten größere Neurohr in einem Durchgang eingezogen werden konnte, ohne die Altrohrrtrasse mehrmals aufweiten zu müssen. Das Altrohr wurde auf ca. 380 mm aufgeweitet und verdrängt. Gut ersichtlich ist, wie durch den enormen Aufweitungsprozess die Scherben weit ins Erdreich gedrückt und soweit zermalen werden, so dass sie nicht mehr sichtbar sind. Eine Haltungslänge konnte in einer knappen Arbeitswoche komplett mit Verfüllung der Arbeitsgruben und Wiederherstellung der Oberflächen abgearbeitet werden!

FAZIT:
Vereint im Dreier-Bund zeigten sich Auftraggeber, Ausführender sowie die Anwohner vor allem wegen der kurzen Bauzeit sehr zufrieden. So konnte das Bauobjekt fast 3 Wochen vor der geplanten Fertigstellung der Stadt zur Abnahme übergeben werden. Für den Verkehr ergaben sich kaum Behinderungen, da mit einer einfachen, halbseitigen Sperrung gearbeitet werden konnte, und der Verkehr aus Richtung Hildesheim umgeleitet wurde. Für die Stadt ergaben sich durch die geschlossene Bauweise Einsparungen in Höhe von 35 % gegenüber der offenen Bauweise. Nicht zu verachten das Ergebnis, das mit einem kompletten Neurohr und Abnutzungsvorrat bzw. einer zu erwartenden Lebenszeit von über 80 Jahren zu Buche schlägt und mit einem Blick auf die Abschreibung die Wirtschaftlichkeit dieser Technik weiter unterstreicht. Durch die kurze Bauzeit wurden die sozialen Kosten auf ein Minimum reduziert. Auch die Schächte wurden im Zuge dieser Maßnahme mit erneuert und durch moderne PE-HD-Schächte ersetzt.

KD107

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