[ Magazin ] > [ Archiv ] > [ Inhalt 6/2001 ] > [ Wasser & Abwasser: Seite vor - Seite zurück ]

Wasser & Abwasser

Chancen der Privatisierung in der Wasserwirtschaft am Beispiel Rostock

Effizienzsteigerung in der Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung durch Privatisierung

von Dr.-Ing. Michael Beckereit,
Geschäftsführer EURAWASSER Aufbereitungs- und Entsorgungs GmbH, Berlin

Privatisierung in der Wasserwirtschaft bietet den Kommunen und somit auch dem Kunden einen besonderen Service: Effiziente Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung, soziales Engagement und regionale Verantwortung, bei gleichzeitiger Verpflichtung, dem Endverbraucher gegenüber schnellstmöglichen Service zu angemessen günstigen Gebühren zu gewährleisten. Dieser neue Standard in der deutschen Wasserbranche in Kombination mit einer unternehmenstypischen Wirtschaftlichkeit ist kommunalpolitisch akzeptiert und die zusätzliche Sicherung von Arbeitsplätze sehr anerkannt. EURAWASSER kann diese These mit ihren Betriebsstätten auf eindrucksvolle Weise belegen.

Zu Beginn sollten die Rahmenbedingungen in der Wasserwirtschaft beleuchtet werden:
Kommunale Unternehmen stehen vor einer schier unlösbaren Aufgabe: Sie sollen die nötigen Investitionen tätigen, die Netze ausbauen und modernisieren und gleichzeitig die Preise und Gebühren nicht erhöhen. Der Einsatz privaten Kapitals und Know-how hat sich dabei in Deutschland sehr bewährt: Qualitätssteigerung, technische Optimierung von Anlagen und Netzen, Einführung innovativer Dienstleistungsstandards, Gebührensenkungen, Sicherung bestehender und Schaffung neuer Arbeitsplätze - das sind nur einige der Resultate privaten Engagements.

Qualitätssteigerung und Umweltschutz sind besondere Schwerpunkte der Privatisierung. Seit 1993 gewährleistet zum Beispiel die EURAWASSER Rostock die Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung des Großraumes Rostock mit seinen rund 260.000 Einwohnern. Seit 1993 hat EURAWASSER Investitions- und Sanierungsaufwendungen von insgesamt mehr als 450 Mio. DM allein für Modernisierung der Anlagen und Einhaltung von deutschen und europäischen Normen investiert. 24 Prozent davon im Bereich Trinkwasser und 76 Prozent im Bereich Abwasser. Wasserwerk und Kläranlage zählen heute zu den leistungsfähigsten Anlagen ihrer Klasse - die Kläranlage ist eine der modernsten Europas. Trink- und Abwasser haben sich deutlich verbessert, die zulässigen Grenzwerte werden weit unterschritten. Beim Trinkwasser konnte durch den Einsatz einer mehrstufigen Ozondosierung die Chlorzugabe von 4,4 mg/l im Jahr 1990 auf nunmehr 1,0 mg/l verringert werden. Auch der Aluminiumgehalt des Trinkwasser reduzierte sich von 0,32 mg/l (1980) auf gegenwärtig 0,025 mg/l (bei einem Grenzwert von 0,20 mg/l). Die Trinkwasserwerte für Eisen und Magnesium konnten von jeweils 0,12 mg/l im Jahre 1989 auf deutlich unter 0,01 mg/l (bei einem Grenzwert von 0,05 mg/l für Magnesium) gesenkt werden.

Der Ablauf der Kläranlage Rostock wird in die Unterwarnow eingeleitet. Die Aktivitäten von EURAWASSER haben dort die Belastungen stark gesenkt, was zu einer deutlich geringeren Belastung der Ostsee geführt hat: Vor 1989 gehörte die Unterwarnow zu den zehn Schwerpunkten der Ostseebelastung. Heute werden die behördlich festgelegten Grenzwerte weit unterschritten. Eine Studie der Universität Rostock unter der Leitung von Prof. Schlungbaum belegt, dass der Kläranlagenablauf bessere Werte erzielt als das durch Landwirtschaft belastete Wasser der Oberwarnow. Schlungbaum zufolge konnte die durch das Abwasser bedingte Einleitung von Phosphor von 135t pro Jahr (1990) auf 5t pro Jahr (seit 1995) verringert werden - das entspricht einer Senkung von mehr als 96 Prozent! Auch die Einleitung von Stickstoff sank dramatisch und beträgt heute nur noch zehn Prozent (211t pro Jahr) gemessen an der Belastung von 1990 (2.111t pro Jahr).

Aber auch Service und Dienstleistung liegen im Mittelpunkt der privaten Wasserwirtschaft:
Nachdem Wasserwerk und Kläranlage zu den leistungsfähigsten Anlagen ihrer Klasse zählen, strebt EURAWASSER im Bereich Dienstleistung einen ebensolchen Standard an: Der Kunde und seine Erwartungen stehen seit dem Jahr 2000 im Zentrum der Unternehmensorganisation. Dieses Ziel wurde in vier Hauptetappen erreicht: Eine Marketingstudie bei Direktkunden und Verbrauchern gab Aufschluss über Ist- und Soll-Zustand. Anhand dieser Ergebnisse wurden im zweiten Schritt das Unternehmen und sein Leistungsspektrum neu organisiert. Im dritten Schritt folgte im Juni 2000 die Einführung einer Kunden-Charta. Fazit war eine neue Informationspolitik gegenüber dem Verbraucher und die Inbetriebnahme des Kundenbetreuungszentrums im November 2000. In der Kunden-Charta verpflichtet sich EURAWASSER z.B. bei selbstverschuldeter Terminüberschreitung zur Auszahlung einer Entschädigung in Höhe von DM 30,-. Seit Juni 2000 haben die Mitarbeiter von EURAWASSER in der neuen Organisationsform über 140.000 Anfragen bearbeitet; in nur zwölf dieser Fälle konnte EURAWASSER die Termine nicht einhalten und zahlte die Entschädigungspauschale aus. Für das laufende Jahr ist als vierter Schritt die Ausweitung der Aktivitäten des Kundenbetreuungszentrums geplant. Im nächsten Jahr soll die Marketingstudie wiederholt werden, um einerseits die erzielten Erfolge statistisch abzusichern, andererseits um weitere Anregungen für Verbesserungen zu bekommen. Arbeitsplatzsicherheit ist ein weiterer positiver Aspekt der Privatisierung. Seit dem Beginn der Aktivitäten von EURAWASSER in Rostock 1993 hat es im Unternehmen keine betriebsbedingten Kündigungen gegeben. Im Gegenteil: Durch neue Aufgabenfelder entstanden insgesamt 117 neue Arbeitsplätze.

Trotz der positiven Effekte der Privatisierung gibt es für private Unternehmen in Deutschland aber immer noch erhebliche Nachteile. Entgegen bestehenden europäischen Grundsatzbestimmungen sind deutsche privatwirtschaftliche Unternehmen bei der Entsorgung umsatz- und körperschaftssteuerpflichtig - für öffentlich-rechtliche Unternehmen gilt das nicht, da es sich hier um hoheitliche Aufgaben handelt. Eine Änderung des deutschen Steuerrechts ist im Sinne von Chancengleichheit privater und öffentlich-rechtlicher Unternehmen daher dringend erforderlich.

KD074

[ Magazin ] > [ Archiv ] > [ Inhalt 6/2001 ] > [ Wasser & Abwasser: Seite vor - Seite zurück ]